Level

ambitionierte Anfänger, Fortgeschrittene

Kosten

5€

Art der Meditation

Zen Meditation

Webseite

Ort

Pädagogisch-Therapeutisches Fachzentrum
Gertigstr. 28
22303 Hamburg

Stadtteil: Winterhude

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Teil der Artikelserie: „Meditation in Hamburg

Die Zen-Gruppe GenjoAn e.V. ist eine Zen-Gruppe, die großen Wert auf die Meditation legt. Neben dreimal 25 min. Sitz-Meditation sind weiterhin zweimal Geh-Meditation für jeweils 5-10 min. für den Abend eingeplant. Um die eigene Praxis weiter zu vertiefen, werden (nach mehrmaligen Besuchen bei der Zen-Gruppe) Einzelgespräche (Dokusan) mit der Zen-Meisterin geboten. Rituale und das Rezitieren von Texten sind auf ein Minimum begrenzt.

Vor Ort findet sich darüber hinaus eine tolle, warme Gemeinschaft an Praktizierenden (Sangha).

 

 

 

Erfahrungsbericht

Die nächste Zen Meditationsgruppe, die ich mir näher anschauen wollte, war die GenjoAn e.V in Hamburg Winterhude.
Es brauchte zwar zwei Anläufe, bis es endlich klappte (ich war zunächst bei der alten Adresse des Dojos). Aber – es hat sich gelohnt.

Ich war um 18:30 Uhr zur Einführung da und wurde herzlich begrüßt. Wir bereiteten zunächst den Meditationsraum gemeinsam vor (Matten, Kissen etc. reinbringen). Anschließend begann die Einführung. Mein Ansprechpartner erinnerte sich, dass ich in unserem Mailkontakt von einer gewissen Vorerfahrung mit Zen sprach und ließ mich daher erstmal erzählen. Für mich definitiv ein Pluspunkt, denn nur so lässt sich meiner Meinung nach eine angemessene Einleitung gestalten.

Zu den Punkten innerhalb der Einführung:

Meditationshaltung

Wir kamen schnell auf die Meditationshaltung zu sprechen. Ich berichtete, dass ich meine final beste Meditationshaltung noch nicht gefunden habe. Oft sei es für mich eine Abwägung zwischen Stabilität und Schmerzen.

Erläuterung:

  • Im Halblotus sitze ich am Stabilsten, habe aber nach einer gewissen Zeit Schmerzen
  • Im burmesischen Sitz sitze ich am angenehmsten, habe aber nach einer gewissen Zeit Stabilitätsprobleme (meine Körper schwankt und ruht nicht)

Mein Ansprechpartner empfahl mir, eine Position zu wählen, die möglichst wenig Schmerzen bereite, da ansonsten die Gefahr bestünde, den Fokus auf die eigentliche Meditation zu verlieren.

Prinzipiell sei bei dieser Zen-Gruppe weniger eine strenge Meditationshaltung, sondern die Meditationspraxis an sich im Vordergrund. Auch innerhalb der Gruppe seien alle Meditationshaltungen vertreten: vom Fersensitz auf einer Sitzbank, „normalem Sitzen“ auf einem Hocker oder dem burmesischen Sitz sei alles dabei.

Neben der reinen Sitzhaltung werde die Gesamthaltung von der Zen-Meisterin Corinne folgendermaßen beschrieben:

  • Man soll so sitzen, dass man Selbstachtung vor sich hat
  • Sitzen wie ein König, nicht wie ein Bettler

Bei der Handhaltung ist das klassische Zen-Mudra (Hokkaijoin, Kosmisches Mudra) vorgegeben, wobei auch hier innerhalb der Gruppe unterschiedliche Handhaltungen während der Meditation genutzt wurden.

Die Augen sind wie gewohnt beim Zen halb geöffnet und schauen diagonal auf den Boden.

 

Meditation(-sobjekt)

Interessant wurde es beim Meditationsobjekt selbst. Auf meine Frage, was denn das Meditationsobjekt sei, antwortete mein Ansprechpartner:

Bei uns gibt es ein Meditationsobjekt in diesem Sinne nicht.

Wir praktizieren eher: objektloses meditieren

Anfangs kann man sich durchaus ein Stück weit auf den Atem konzentrieren.

Die Atemzüge zählen oder den Atem so wahrnehmen. Nach und nach entledigt man sich aber dieser Stützen.

Meditierende, die einen Koan haben, befassen sich während der Meditation auch mit ihrem Koan.

Interessante Randnotiz: Obwohl es sich um eine Soto Zen Schule handelt, sitzt man sich beim Meditieren gegenüber. Auch Koans sind meines Wissens nach eher der Rinzai Zen Schule zuzuordnen, haben aber ebenfalls Einzug in diese Zen Schule gefunden.

Rituale

Wie in der jeder Zen-Schule gibt es auch in dieser Zen-Gruppe einige Rituale, die es einzuhalten gibt. Hier sind die ein paar Rituale/Abläufe, an die ich mich erinnere:

  • jede Meditation wird mit dem Anschlagen einer Klangschale eingeleitet und beendet
  • nach der Meditation steht man auf und verbeugt sich vor seinem Kissen anschließend dreht man sich links herum zur Sangha und nach dem Klacken von zwei Hölzern (vorgegeben durch den Meditationsleiter) verbeugen sich alle zueinander.

Ablauf des Abends

Insgesamt gestaltete sich der Abend wie folgt:

> Rezitation                                           | Dauer:  ~ 2 min.
> 1. Meditation (Zazen)                        | Dauer:  ~ 25 min.
> 1. Geh-Meditation (Kinhin)               | Dauer:  ~ 5 min.
> 2. Meditation (Zazen)                       | Dauer:  ~25 min.
> 2. Geh-Meditation (Kinhin)              | Dauer:  ~ 5 min.
> 3. Meditation (Zazen)                       | Dauer: ~ 25 min.
> Niederwerfungen (Sampai)               | Dauer: ~ 1 min.
> Rezitation                                           | Dauer: ~ 2 min.

während der 1.-3. Meditation: Einzelgespräche

Zu einzelnen Punkten noch einmal ein, zwei Worte:

1. Rezitation

Der ersten Meditation ging eine Rezitation voraus, die sich auf die Verehrung der dreifachen Zuflucht bezog (Übersetzungen variieren):

1. Verehrung sei dem Buddha
2. Verehrung sei dem Dharma
3. Verehrung sei der Sangha

Einzelgespräche (Dokusan)

Parallel zu den Meditationen fanden Einzelgespräche (Dokusan) mit der Zenmeisterin Corinne statt. Dazu begab sich Corinne während der ersten Sitzmeditation mit einem „Schüler“ in ein Nebenzimmer. Nach einer Weile kehrte dieser zurück und sagte dem nächsten „Schüler“ Bescheid, zum Einzelgespräch zu gehen.

Die Einzelgespräche dienen dazu den Fortschritt des Meditierenden zu überprüfen, u.a. indem dem Schüler aufgetragene Koans besprochen werden. Neue Praktizierende sind beim Zen GenjoAn e.V. die ersten 2-3 Male von diesen Lehrgesprächen ausgenommen.

Geh-Meditation (Kinhin)

Der ersten und zweiten Sitz-Meditation (Zazen) folgte eine Geh-Meditation (Kinhin). Dazu stand man zunächst auf und schüttelte sein Meditationskissen aus. Anschließend verbeugte man sich zu seinem Kissen, drehte sich wie gewohnt links herum zur Sangha und verbeugte sich nach dem Klacken der Hölzer zueinander.

Anschließend begann die Geh-Meditation. Hierzu läuft man bedächtig und sehr langsam in Halb-Schritten (d.h. eine halbe Fußlänge) und versucht jeden Schritt bewusst wahrzunehmen. Gleichzeitig versucht man auf seinen Atem zu achten und diesen mit seinen Schritten zu synchronisieren:

  • beim Einatmen hebt man den Fuß an für den nächsten Schritt
  • beim Ausatmen setzt man seinen Fuß ab

Zur Haltung:
Bei der Geh-Meditation änderte sich die Handhaltung vom Gassho (Gebetshaltung) zum Shashu. Hierbei wird der linke Daumen von den übrigen Fingern der linken Hand umschlossen, die rechte Hand umschließt die linke Hand. Die Hände ruhen auf Höhe des Brustbeins, die Arme befinden sich in einem Winkel von ca. 45° zum Körper. In der Einführung wurde hierzu erklärt: Man muss unter den Achseln so viel Platz haben, um zwei rohe Eier darunter halten zu können.

Gesamteindruck

Der Abend bei der Zen Genjoan e.V. gefiel mir alles in allem sehr gut. Die drei Meditationen a 25 min. hatten es natürlich in sich und waren ziemlich anstrengend.

Statt wie sonst bewusst auf den Atem zu achten, versuchte ich mich an dem vorgegebenen objektfreien Meditieren. Dazu versuchte ich jeden aufkommenden Gedanken oder Gefühl sofort wieder loszulassen und Ihr Erscheinen einfach zu beobachten. Ich sah mein Inneres zwischenzeitlich als leeren Raum oder leere Oberfläche an, wo immer mal ein Phänomen aufblitzte, das ich beobachtete, dann aber wieder losließ.

Das klappte die erste Meditation überhaupt nur sehr bescheiden. Die Gedanken prasselten auf mich ein, wie ein Haufen Zombies in einer Zombieapokalypse. (mir fiel kein besserer Vergleich ein). Allzu oft verstrickte ich mich in den Gedanken und sobald ich mir dessen bewusst war, verstrickte ich mich schon im nächsten Gedanken. Ab und zu ließ ich mich auch durch die anderen Meditationsteilnehmer ablenken, die den Raum für die Lehrgespräche (Dokusan) mit der Zen-Meisterin betraten oder verließen.

Abseits davon gelang mir die zweite und dritte Meditation etwas besser, wobei es mich zunehmende Anstrengung kostete, die Konzentration aufrechtzuerhalten.

Wie so oft aber nach längeren Meditationen zeigte sich die Wirkung (bei mir) auch im Nachhinein: Ist fühlte mich wieder wesentlich klarer im Kopf (hatte nicht mehr so viele Gedanken im Kopf), weniger rastlos und in die Gegenwart zurückkatapultiert. Ein tolles Ergebnis, wofür ich sehr dankbar bin.

Die Sangha nahm mich wohlwollend an und erkundigte sich nach dem Abend nach meinem Namen und meinen Eindrücken und stellten sich ihrerseits vor. Ich fühlte mich direkt willkommen.

Unabhängig davon gefällt mir an der Meditationsgruppe, dass die Rituale hier nicht überhand nehmen und auch die Rezitationen auf ein Minimum beschränkt sind. So bleibt ein größerer Fokus auf die Meditation.

Wertung

(entgegen aller Weisheit in Fernost, das Urteilen zu lassen…)

P

keine vorgegebene Meditationshaltung

P

gute Einleitung (Meditationsteil aber etwas kurz)

P

angenehme Atmosphäre, herzliche Sangha

P

wenig Rezitation, viel Meditation

O

Zendo an der Straße, Autoverkehr deutlich zu hören

O

viel Bewegung während der Meditation durchs Dokusan

Hinweis zu –  Meditation in Hamburg :
Dieser Artikel ist Teil der Artikelserie „Meditation in Hamburg„. In dieser Serie habe ich acht verschiedene Meditationsgruppen in Hamburg unterschiedlicher Tradition ausprobiert und ausführlich darüber berichtet.

Übersichtsseite zur Artikelserie:

Meditation in Hamburg