Level

für Anfänger geeignet (mit Einführung)

Kosten

12€ je Tageskarte
100€ je Zehnerkarte

 

Art der Meditation

Zen Meditation

Ort

Kirche der Stille
Helenenstr. 14A
22765 Hamburg

Stadtteil: Altona

 

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Teil der Artikelserie: „Meditation in Hamburg“

Der Name verwirrt zunächst etwas: Kirche der Stille. Stille passt ja noch ganz gut- aber was hat Kirche mit Meditation zu tun? Oder gar mit dem Buddhismus? Viel! Denn auch im Christentum gibt es meditative Strömungen.

Abseits davon versteht sich die Kirche der Stille anders: zur evangelisch-lutherischen Gemeinde gehörend, wurde die Kirche speziell 2009 in einen Ort der Stille umgebaut. Damit möchte sie eingehen auf „die Sehnsucht und das Bedürfnis vieler Menschen, in Stille und Unmittelbarkeit die Nähe Gottes und Nähe zu sich selbst zu finden.

Eine sehr schöne Idee und mit der offenen und netten Meditationsgruppe (Sangha), erfahrenen Meditationslehrern und einer guten Atmosphäre durchaus ein guter Ort in Hamburg, um Zen zu praktizieren.

Erfahrungsbericht

Die Kirche der Stille befindet sich in Hamburg Altona und ist der erste Zendo, den ich seit langer Zeit einmal wieder ausprobieren wollte. Eine Anmeldung war nicht erforderlich– vorsichtshalber kündigte ich mich aber einen Tag vorher per Mail an. Die Antwort erfolgte sehr schnell und ermunterte mich: „Du bist herzlich Willkommen“. Ein schöner Start, dachte ich.

Vor Ort kam ich Punkt 19 Uhr an, dem Zeitpunkt wo offizielles Ankommen vor der Meditation gewünscht war. Der Vorraum der Kirche war gefüllt mit Menschen in Roben und jeder schien jeden zu kennen. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre, freundlich aber doch irgendwo besinnlich, denn es wurde nicht laut gesprochen.

Ich stach als Neuankömmling wahrscheinlich etwas heraus und wurde daher schnell von dem verantwortlichen Meditationsleiter begrüßt. Der Meditationsleiter wirkte freundlich und erklärte mir, dass er heute den Abend leiten und mir vorab eine Einführung geben werde. Alle anderen würden zu dieser Zeit eigenständig die erste Meditationsrunde abhalten. Irgendwo eine erste kleine Enttäuschung… denn eigentlich wollte ich den Abend so mitnehmen, wie er allen zur Verfügung stand. Andererseits aber vielleicht gar nicht so schlecht- denn ich hatte in letzter Zeit selten mehrere Meditationssitzungen hintereinander durchgeführt und in Summe waren zwei Stunden Programm schließlich kein Pappenstiel. (und auch für Anfänger, die Meditation lernen wollen sicherlich ein guter Einstieg!)

Nun aber zur Einführung: Ich war sehr gespannt- denn ich hatte bereits diverse Einführungen mitmachen dürfen- manche gut, manche weniger gut.

Die Einführung hier konnte sich jedoch sehen lassen. Nach einem kurzen Abriss zur Entwicklung des Zen-Buddhismus innerhalb des Buddhismus und der Verortung der Meditationspraxis in eine der zahlreichen buddhistischen Schulen, folgte eine Einführung in die Meditation und den Ablauf des Abends.

Kurz zu den genannten Punkten:

 

Zen-Meditationspraxis

Die Zen Meditation, die in der Kirche der Stille in Hamburg praktiziert wird, folgt der Rinsai Linie und untersteht dem Zen-Meister Hinnerk Polenski. Polenski steht für einen westlichen Meditationsstil. Zwar gibt es nach wie vor zen-typisch strenge Regeln und Riten; in der Meditation selbst aber wird bspw. auf den Lotussitz verzichtet und die für viele „Westler“ angenehmere Variante des Fersensitzes auf einer Sitzbank bevorzugt. Gerade für Anfänger sicherlich eine große Erleichterung, da der Lotussitz (in allen Varianten) für Ungeübte zu großen Schmerzen führen kann.

Weiterhin ist als Handhaltung nicht das klassische Dhyana-Mudra vorgegeben, sondern eine Verschränkung der Hände ineinander. Aber bei beiden Beispielen gilt: Bevorzugt man eher den Lotussitz und die klassische Handhaltung, so darf man sich auch für diese Varianten entscheiden.

Ablauf des Abends

Der Abend umfasst neben der „klassischen“ Meditation, zahlreiche weitere Programmpunkte:

> 1. Meditation                                                         | Dauer: 25 min.
> 2. Meditation                                                        | Dauer: 25 min.
> Geh-Meditation                                                    | Dauer: 10-15 min. (~)
> Rezitation des Herz-Sutras Hannya Shingyō     | Dauer: 5-10 min. (~)
> 3. Meditation                                                        | Dauer: 10-15 min. (~)
> Tee-Zeremonie                                                      | Dauer: 10-15 min. (~)

Alle Punkte werden innerhalb der Einführung ausführlicher erklärt. Sollte man zwischenzeitlich den Faden verlieren, gilt auch hier: Unauffällig schauen, was die anderen machen, nimmt einem niemand übel (:

Einführung in die Meditation

In der Zen Meditation ist der Atem bekanntermaßen das zentrale Meditationsobjekt. Darüber hinaus gefiel mir aber die Ausführung des Meditationsleiters: Es gehe beim Zen nicht um richtig und falsch. Auch zwanghaftes Anhaften an dem Atem muss nicht unbedingt richtig sein. Manchmal ist einfach nur sein ebenso gut.

Die Meditation selbst barg vom Ablauf her kaum Überraschungen. Wie im Zen-Buddhismus üblich, wurde die Meditation durch Klangschale und Hölzer eingeleitet. Positiv hervorzuheben ist die absolute Stille, die während der Meditation herrschte. Außer einem seltenen Schlucken war kein Geräusch zu hören. Zwischendurch fragte ich mich tatsächlich kurz, ob ich allein in der Kirche war. Durch den etwas größeren Raum herrschte zudem immer etwas Luftzug. Neben dem angenehmen Gefühl auf der Haut auch immer ein guter Anlass, um sich in der Meditation wieder auf den aktuellen Moment zu konzentrieren. Für alle Vollprofis, Buddhas oder Bodhisattvas vielleicht nicht notwendig… ich nahm diese Momente jedoch dankbar an (: Im Vergleich zu manch anderen Zendos, wo sich die Hitze aufstaut, ein großer Pluspunkt für die Kirche der Stille.

Die übrigen Programmpunkte fügten sich angenehm ineinander und zwischendurch bot sich immer etwas Zeit für kurze Pausen. Sehr erwähnenswert ist die Tee-Zeremonie zum Ende des Meditations-/Zen-abends. Der Tee wurde in vier Zügen getrunken, wobei jedem Zug eine Bedeutung beigemessen wurde.

  • Der Erste steht für Klarheit
  • Der Zweite für Respekt
  • Der Dritte für Harmonie
  • Der Vierte für Stille

Das Ganze hatte etwas angenehm Besinnliches, der Tee umsorgte den Körper wunderbar von innen und bildete insgesamt einen schönen Abschluss des Abends.

Wertung

(entgegen aller Weisheit in Fernost, das Urteilen zu lassen…)

P

sehr still während der Meditation

P

gute Einführung und Betreuung

P

angenehme Atmosphäre

O

ab und zu Autoverkehr zu hören

O

für Nichtvereinsmitglieder recht teuer

Hinweis zu –  Meditation in Hamburg :
Dieser Artikel ist Teil der Artikelserie „Meditation in Hamburg“. In dieser Serie habe ich acht verschiedene Meditationsgruppen in Hamburg unterschiedlicher Tradition ausprobiert und ausführlich darüber berichtet.

Übersichtsseite zur Artikelserie:

 Meditation in Hamburg

Weitere Zen-Gruppen in Hamburg: