Level

ambitionierte Anfänger, Fortgeschrittene

Kosten

5-10€ Spende

 

Art der Meditation

Zen Meditation

Ort

Buddhistische Gesellschaft Hamburg e.V.
Beisserstr. 23
22337 Hamburg

Stadteil: Barmbek/ Steilshoop

 

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Teil der Artikelserie: „Meditation in Hamburg“

Der Zen-Kreis Hamburg e.V. bietet immer Donnerstags ein zusammenhängendes, umfangreiches Programm mit Rezitation, Meditation (Zazen) und Teezeremonie (Sarei) an.

Neben sehr schönen Räumlichkeiten erhaltet ihr eine gute Einführung, trefft auf eine engagierte Gemeinschaft (Sangha) und habt die Möglichkeit im Rahmen eines Einzelgesprächs mit einer erfahrenen Zen-Meisterin zu sprechen.

Erfahrungsbericht

Die zweite Zen-Meditationsschule, die ich in Hamburg besucht habe, ist der Zen-Kreis Hamburg e.V.
Der Zen-Kreis Hamburg hat Wolf-Dieter Nolting als Zen-Meister, vor Ort wird die Meditation von Sonja Ostendorf geleitet (Dharma-Nachfolgerin von Wolf-Dieter Nolting).

Zur Einordnung dazu :
Im Zen wird die Lehre (des Buddhismus) oder auch das Dharma, von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Jede Schule hat einen „Häuptling“ bzw. im Zensprech: Zen-Meister. Dieser gibt die Lehre mit seinen Lehrmethoden und Vorstellungen an seine Schüler weiter. Konsequenz ist, dass zwischen den verschiedenen Schulen viele Gemeinsamkeiten, aber auch genauso viele Unterschiede bestehen.

Doch zurück zum Thema: Beim Zen-Kreis Hamburg empfiehlt sich vorab eine Anmeldung. Diese reichte ich auch kurzfristig ein und erhielt genauso schnell eine Mail mit der Info, bitte

  • An der Einführung teilzunehmen
  • Dunkle Klamotten mitzubringen

Soweit alles keine Überraschungen. Spannender war es dann schon vor Ort. Der Zen-Kreis findet in den Räumlichkeiten der buddhistischen Gesellschaft Hamburg e.V. statt. Die buddhistische Gesellschaft Hamburg besitzt ein ganzes Haus, das im Erdgeschoss u.a. mit einer Bibliothek, Zendo/Meditationsraum und einem Raum für Einzelgespräche ausgestattet ist. Letztlich also ein Ort der Spiritualität. Gemütlich und irgendwie stimmungsvoll eingerichtet. Allein wegen der Bibliothek kann ich mir gut vorstellen, nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein.

Unser Kontakt Christof vom Zen-Kreis führte uns (ich war mit Begleitung da) durch die noch (menschen-)leeren Räumlichkeiten, kurz darauf fanden wir uns im Zendo zur Einführung wieder. Wie im Zen üblich, herrschten auch in dieser Schule viele Riten und Handlungsweisen, die es zunächst kennenzulernen galt. Wir lernten, dass beim Rein- und Rausgehen des Zendos Gasho Richtung Buddha gemacht wird (verbeugen, dabei Hände in Gebetshaltung), wie das Rezitationsheft richtig gehalten wird, wie man richtig Tee trinkt und vieles mehr. Irgendwann verlor ich dabei wie gewöhnlich den Faden, sodass ich während der Praxis später dann sicher einiges falsch machte. Aber Christof versicherte uns: Spicken (auch: abgucken) vom Nebenmann ist erlaubt und überhaupt:

Mit der Zeit komme ganz automatisch die Gewohnheit, sodass man sich dann wieder mehr auf das hier und jetzt konzentrieren könne.

Generell wirkte Christof sehr ruhig bei der Einführung und erklärte uns alles langsam und verständlich. Der Ablauf des Abends gestaltete sich weiterhin wie folgt (ich werde auf jeden dieser Punkte eingehen):

 

Ablauf des Abends

> Rezitation                                            | Dauer: 15 min. (~)
> Sarei (gemeinsames Tee-Trinken)      | Dauer: 10 min. (~)
> Zazen (Zen Meditation)                     | Dauer: 25 min.
> Kinhin (Gehmeditation)                     | Dauer: 10 min. (~)
> Zazen (Zen Meditation)                     | Dauer: 25 min.
   währenddessen: Dokusan*
> Rezitation                                             | Dauer: 10 min. (~)

*Einzelgespräch mit der Zen-Meisterin, bei Bedarf

 

Zum Nachlesen findet ihr jeden einzelnen Programmpunkt ausgeführt: 

Rezitation

Mit der Rezitation begann der offizielle Teil des Abends. Das gemeinsame Rezitieren (letztlich nichts anderes als gemeinsam laut Texte aus einem Rezitationsheft lesen) bot einen schönen Start in den Abend. Das rhythmische Vorlesen in Begleitung einer Holztrommel als Taktgeber (auch genannt Mokugyo) macht tatsächlich Spaß, erfordert aber auch eine hohe Konzentration. Ein Beispiel des Textes gefällig?

MA KA HAN NYA HA RA MI TA SHIN GYO

In diesem Fall handelt es sich um einen japanischen Text, außerdem wurden auch sanskrit- und deutsche Texte gelesen. Der Inhalt wurde in der Einführung kaum erklärt, was aber durchaus nicht unüblich ist, da buddhistische Texte sehr komplex sind und für Anfänger wohl nicht so einfach zu verstehen. Selbst Japaner würden die Texte teilweise nicht verstehen.

Insgesamt dauerte die Rezitation länger, als ich es bisher kannte. Während die Rezitation anfangs noch Spaß machte, wurde sie meinem Empfinden nach zunehmend anstrengender. Weiterhin fiel es mir auch immer schwerer mich auf die Situation einzulassen und teilweise kam ich mir etwas fehl am Platz vor, Silben aufzusagen, die für mich keinen Sinn hatten. Weiter ging es mit der Teezeremonie.

Teezeremonie (Sarei)

Die Teezeremonie barg eine schöne Abwechslung zur Rezitation. Auch hier galt es selbstverständlich die Abläufe einzuhalten (bspw. hebt man die Tasse hoch, sobald der Nebenmann/-frau Tee eingeschenkt bekommt), dennoch war das ganze entspannend und anmutig zugleich. 

Meditation (Zazen)

Nach der Teezeremonie war nun „endlich“ das Meditieren dran. In dieser Zen-Schule ist das Meditationsobjekt das Zählen der Atemzüge beim Ausatmen. Dabei wird bis 10 gezählt, dann von vorne begonnen. Sollte man Abschweifen, fange man wieder bei 1 an, so Christof in der Einführung.

So weit so gut. Irgendwie klappte das bei mir jedoch nicht allzu gut und ich fokussierte mich hin und wieder stattdessen nur auf den Atem. Irgendwie war ich hier auch etwas vorbelastet ehrlicherweise- da ich in einer anderen Schule lernte, dass das Zählen des Atems nur vom Atem selbst ablenke. Aber da wären wir wieder bei meiner Ursprungsaussage:

Konsequenz ist, dass zwischen den verschiedenen Schulen viele Gemeinsamkeiten, aber auch genauso viele Unterschiede bestehen.

Ob das eine nun besser oder schlechter ist… muss letztlich jeder für sich bewerten. (ich weiß, ich mache es mir einfach… aber zu meiner Verteidigung: genauso wird es auch im Buddhismus gelehrt)

Meditationshaltung

Bei der Meditationshaltung ist der Zen-Kreis Hamburg eher westlich ausgerichtet und verzichtet auf die strenge Vorgabe des Lotus-Sitzes. Stattdessen wird das Sitzen im Halb-Lotus oder Viertel-Lotus (auch: burmesischer Sitz) erlaubt und sogar empfohlen. Auch bei der Handhaltung ist nicht das klassische Dhyana-Mudra zwingend vorgegeben, sondern es können alternativ auch einfach die Hände übereinander gefaltet werden (die linke Hand die rechte umschließend) und die Arme locker herunterhängen. Fokus solle die Meditation an sich sein, nicht eine möglicherweise verkrampfte Körperhaltung. 

Gehmeditation (Kinhin)

Nach der (Sitz-)Meditation folgte die Gehmeditation (oder: Kinhin). Dabei läuft man in der Gruppe hintereinander langsam im Kreis, oder vielmehr Viereck. Das Schritttempo war sehr gemächlich (im Kontrast zur letzten Rinzai Schule, die ich besucht hatte) So konnte man jeden Schritt bewusst setzen und wahrnehmen, was eine ungemein beruhigende Wirkung auf mich hatte.

Nach ein paar Runden durch das Zendo liefen wir durch das Haus in den Garten hinaus. Die sommerlichen Temperaturen, die angenehme Abendluft und das weiche Gras machten unseren „Ausflug“ sehr angenehm. Anschließend folgte die zweite Meditationssitzung.

Zweite Meditation (Zazen)

Die zweite Meditation beinhaltete das „Special“, dass ein Dokusan integriert war. Dazu begab sich die Zen-Meisterin in das dafür vorgesehene Einzelzimmer, der Zen-Leiter schlug während der Meditation jeweils zweimal eine spezielle Glocke, je Meditationsteilnehmer. Jeder Meditationsteilnehmer wurde so nach und nach indirekt durch diese zwei Glockenschläge gefragt, ob er in das Einzelgespräch mit der Zen-Meisterin gehen möchte. Der Meditationsteilnehmer antwortete durch seine Handlung nach den zwei Glockenschlägen. In diesem Zusammenhang bedeutet:

  • Gasho: Ja, bitte.
  • Verbeugen ohne Gasho: Nein, danke.

Ich nahm das Angebot des Einzelgespräches nicht an, da ich mich noch einmal an der Meditation probieren wollte und mir keine Frage wirklich auf dem Herzen lag. Die Meditation fiel mir jedoch schwerer als beim ersten Durchgang… die stetigen Glockenschläge und das Hin- und Herlaufen der Dokusan-Teilnehmer störten mich in meiner Konzentration. (auch wenn ich mal gehört habe, dass gerade solche Ablenkungen auch freundliche Erinnerungen an die Achtsamkeit sein können).

Nach der zweiten Meditation folgte anschließend erneut die Rezitation und danach vollkommen unvorbereitet: Sampai. (schnelle Niederwerfungen als Zeichen der Demut) Danach war das offizielle Programm vorbei.

Nach dem offiziellen Programm

Die Meditationsgruppe/Sangha lud uns danach noch zu einem gemeinsamen Abendessen in der Küche ein, zum Erfahrungsaustausch und Fragen stellen. Wir nahmen dankend an, und die Zen-Meisterin betonte noch einmal, wie wichtig es sei, den Körper während der Meditation zu entspannen. Hintergrund: ist der Körper angespannt, sei auch der Geist angespannt. (das hatte sie wohl bei uns beobachtet)

Der Austausch war interessant; auf meine Frage, wie man denn die richtige Meditationsart für sich finde, gab es Uneinigkeit:

Einer empfahl uns, mehrere Sachen auszuprobieren

Ein anderer empfahl uns, dass es vollkommen reiche, eine Sache auszuprobieren. Und dann bei dieser zu bleiben.

Also auch hier gilt: Es gibt kein Richtig oder Falsch (wie im Buddhismus üblich)
Und so ließen wir den Abend ausklingen.

Wertung

(entgegen aller Weisheit in Fernost, das Urteilen zu lassen…)

P

sehr schöne Räumlichkeiten

P

schöner Zendo (Meditationsraum)

P

sehr gute Einführung

P

engagierte Sangha

P

gemeinsames Abendessen

P

Kinhin durch den Garten (angenehme Abwechslung)

O

Einführung zum "Meditationsteil" etwas kurz

O

wenig Erklärung zur Rezitation

O

für meinen Geschmack: etwas lange Rezitation

Hinweis zu –  Meditation in Hamburg :
Dieser Artikel ist Teil der Artikelserie „Meditation in Hamburg“. In dieser Serie habe ich acht verschiedene Meditationsgruppen in Hamburg unterschiedlicher Tradition ausprobiert und ausführlich darüber berichtet.

Übersichtsseite zur Artikelserie:

 Meditation in Hamburg

Weitere Zen-Gruppen in Hamburg: