Ein Thema, zu dem ich schon öfter schreiben wollte, mich jedoch bisher nicht getraut habe, ist die Frage aller Fragen: Warum gibt es so viel Leid auf der Welt?

Warum sind wir (immer mal wieder) unglücklich, voller Sorgen, krank und müssen letztlich sterben? Die Frage lässt sich in unserer christlich geprägten Gesellschaft letztlich nicht stellen, ohne auch den Finger in Richtung Gott zu erheben- warum lässt du das zu? Wo du doch als barmherzig giltst und unser aller Bestes möchtest?



Ein Spektrum an Antworten auf die Frage des Leides

Genau zu dieser Frage befragte ich Google und vertiefte mich in die Antworten, die verschiedene Seiten zu geben versuchten. Das Missionswerk Bruderhand sagt zusammengefasst folgendes:

Die Erbsünde Adam & Evas führte dazu, dass wir Menschen aus dem Paradies verstoßen wurden. Dieser Verstoß stellt eine Gnade dar, da Gott uns für die Sünde auch hätte zerstören können. Stattdessen gibt er uns eine Chance uns von der Sünde zu befreien und ins Paradies zurückzukehren (Die Erde dient letztlich als Zwischenstation). Jesus hat bereits für uns gebüßt und uns ein Stück weit den Weg geebnet. Alles was die Menschen daher noch machen müssen, ist an Jesus und an Gott zu glauben, und die Gnade Gottes zu akzeptieren. Zwischenzeitlich jedoch, muss die Erde ertragen werden- und all das Leid mit ihr, da das Paradies nur nicht Sündigen Menschen vorbehalten ist.

Liest man weiter auf verschiedenen Seiten, so taucht diese Botschaft immer wieder auf, siehe auch Jesus.ch:

Die Menschen haben sich für die Sünde/Leid im Paradies entschieden und leiden nun an den Konsequenzen. Gott leidet aber mit uns und letztlich wird es irgendwann Gerechtigkeit geben.

Die Zeugen Jehovas argumentieren ähnlich, auch wenn bei Ihnen eine zentrale Figur Satan ist. Laut ihnen hat Satan die Menschen (heißt: Adam und Eva) in Versuchung geführt und herrscht seitdem über die Erde. Dem Menschen stünde es frei, sich für Satan zu entscheiden oder für Gott. Das, was Satan anrichte, sehen wir an der Welt- daher sollen wir uns Gott anschließen.

Insgesamt folgen diese Erklärungsversuche dem gleiche Muster:

Erbsünde > daher Leid > um zu vermeiden: Gott folgen

Für einen gebildeten, rational denkenden und anhand von Fakten beurteilenden Menschen eine Theorie, die sich an kaum einer Stelle überprüfen lässt- und damit sicherlich nicht wirklich zufriedenstellend. Früher hätte ich diese Theorie(n) genau unter mit diesen Begründungen auch verworfen. Mit Kennenlernen des Buddhismus sehe ich das Ganze jedoch anders.



Was sagt der Buddhismus?

Die Betrachtung des Leides innerhalb des Buddhismus wird ein anderer Stellenwert beigemessen als im Christentum. Nicht zuletzt, weil Buddha Leid in seinen diversen Formen wahrgenommen hat, hat er eine Lösung dieser menschlichen Probleme gesucht- und ist als Ergebnis zur Erleuchtung gekommen. Dieser Weg ist im Buddhismus allen Menschen vorgegeben. D.h. jeder Mensch hat die Möglichkeit, wie Buddha, die Welt ins Tiefste zu Ergründen und damit auch eine Erklärung für das Leid zu bekommen. Die Erleuchtung steht im Gegensatz zu dem, wie die meisten Menschen ihr Leben leben- unachtsam, nicht gegenwärtig und anhaftend. Mein Verständnis von der Erleuchtung ist folgendes:

Man versteht, „was die Welt im innersten zusammenhält“. Man versteht die Zusammenhänge des Universums und ist weder in einem Raum- noch in einem Zeitgefüge. Unendlich präsent ohne Probleme, Leid und Unvollkommenheiten- und damit in der Unendlichkeit.

Und damit ist meines Erachtens nach, das Verständnis vom christlichen Paradies und der buddhistischen Erleuchtung ähnlich. Beide beschreiben letztlich Zustände oder Orte, die die aktuellen Zustände/Orte in absoluter Weise verbessern. Und beide beschreiben letztlich, dass der Mensch seinen Beitrag leisten muss, sich diesen unzureichenden Zuständen/Orten zu entziehen. Sei es durch den Glauben oder die Meditation (als Werkzeug des Buddhismus zur Achtsamkeit).