Etwas Neues auszuprobieren und kennenzulernen stellt für mich immer wieder eine Herausforderung dar. Und dies obwohl allseits bekannt ist, wie positiv die Hirnforschung kontinuierliches Lernen erachtet.

Nur mit neuen Reizen auf unser Gehirn bilden sich neue neuronale Netze und das Gehirn wächst und entwickelt sich weiter. Und ohne neue Reize tritt eben das Gegenteil ein. Ganz getreu dem englischen Motto:

Use it or lose it.

Aber wie so oft im Leben klafft zwischen Theorie und Praxis doch ein großer Unterschied.

Zumindest bei mir: Denn für mich stellen neue Sachen oft eine Herausforderung dar und etwas Neues nicht auszuprobieren und einer alten Routine zu folgen ist häufig verlockender. Und so gehe ich häufig in die gleichen Restaurants und Cafes, bestelle die gleichen Gerichte, koche die gleichen Rezepte, laufe die gleichen Wege und besuche die gleichen Orte.
Ganz verkehrt ist das Gewohnte sicherlich nicht. Immerhin hat sich das Gewohnte bewährt und unterstützt die Neigungen, die wir haben.

Dennoch:


Etwas Neues tut gut.

Und genau dieser Gedanke ereilte mich, als ich letztens in mein „Stamm-Café“ gehen wollte, um einen Blog Artikel vorzubereiten. Mein „Stamm-Cafe“ ist verlockend. Ich kenne die Angestellten dort und weiß, dass ich freundlich behandelt werde. Und auch wenn die Speisen und Getränke dort eher Mittelmaß sind, so kenne ich zumindest die Qualität und weiß worauf ich mich einlasse. Ich merkte, wie sich zeitgleich mit der Idee ein neues Café auszuprobieren, Widerstand in mir regte:

  • Was ist, wenn die Menschen dort unfreundlich sind?
  • Was ist, wenn ich mich dort nicht konzentrieren kann?
  • Was ist, wenn die Speisen und Getränke dort nicht schmecken?

All das waren Gedankengänge, die sich in mir regten. Mein innerer Monolog war auf Hochtouren, und nur mit dem kontinuierlichen Hervorbringen, wie wichtig etwas Neues für mich ist, konnte ich mich überzeugen das neue Café zu betreten. Und wie so oft im Leben, wenn man sich etwas aus der Deckung wagt und ungewohntes Terrain betritt, wurde ich belohnt.

ein neues Cafe kennenlernen
ein neues Cafe kennenlernen

Der Kaffee schmeckte ausgezeichnet und die ganze Atmosphäre in dem Café war warm und ausgelassen. Die Bediensteten waren alle gut gelaunt und als ich über eine Bemerkung eines Kellners am Nachbartisch lachte, kam dieser auf mich zu und verwickelte mich in ein freundliches Gespräch. Selten habe ich ein Café derart gut gelaunt verlassen wie an diesem Tag. Und dabei habe ich nur ein neues Café kennengelernt. Über diese Erfahrung habe ich nachgedacht und auch darüber, was mich daran hindert, neues auszuprobieren.


Warum mir neue Erfahrungen so schwerfallen

Für mich gibt es zwei Gründe, warum mir etwas Neues schwerfällt:

  1. Ich habe Angst, mich zu blamieren.
  2. Ich habe Angst, etwas falsch zu machen.

Beiden Gründen liegt zugrunde, dass ich von etwas die Gepflogenheiten nicht kenne und ich nicht weiß, wie ich mich richtig verhalte. Und oft ist unterbewusst die Haltung vorhanden:
Ich und die anderen.

Beispiel: Ich gehe in ein neues Restaurant und fühle mich fremd. Ich weiß nicht, ob man hier vorher reservieren muss, ob man sich einfach setzen kann oder ähnliches. Zu allem Überdruss ist unterbewusst häufig auch die Annahme, dass die Leute an dem Ort sich alle untereinander kennen. Ganz getreu dem Motto: Ich und die anderen. Mache ich etwas falsch, werde ich ggf. zum Gespött von allen anderen oder man redet schlecht über mich.

Diese fast an Sozialphobie grenzende Scheu vor Neuem konnte ich zum Glück in den Griff bekommen. Geholfen haben mir dabei folgende Maßnahmen:

  • Der Satz und die Überzeugung: „Remember: Everyone is just as afraid as you.“
  • Die Vorstellung: „Dieser Raum den ich betrete, gehört mir. Ich bin hier zu Hause“
  • Das Verhalten, selbstbewusst und aufrecht mit einem Lächeln einen Raum zu betreten und direkt Augenkontakt mit Menschen aufzubauen

Und wenn alles nicht geholfen hat, so versuche ich das genaue Gegenteil:
Ich stelle mir vor, wie alles, wovor ich Angst habe, eintritt und noch wesentlich schlimmer wird. Jedoch in lächerlicher Form. Über die absurde Situation und sich selbst zu lachen und dazu zu stehen, nimmt die Spannung für mich aus so vielem heraus.

Wie siehst du das Thema „Neues ausprobieren und Kennenlernen“? Konntest du dich in den beschriebenen Herausforderungen widerfinden? Ich freue mich auf interessante Anregungen,

Dein Steffen