Nach der Einführung in die Meditation wurde im Klosterseminar auch das Samu und die Teezeremonie erklärt. Das Samu ist Arbeit, die im Geiste der Meditation ausgeführt wird. Dabei gehe es nicht um Effizienz der Tätigkeit, sondern vielmehr um das bewusste Erleben und Konzentrieren auf die Tätigkeit. Das Auflesen von Tannennadeln und das Jähten von Unkraut waren solche Samutätigkeiten.

Die Seminartage waren überaus gefüllt, sodass ich sehr viel lernte. Sehr interessant war auch das Gespräch mit den einzelnen Seminarteilnehmern, da man sich über die Tage doch besser kennenlernte. Manche berichteten von Ihren Depressionen, verursacht durch kindliche Traumata, manche von Ihren sehr positiven Erfahrungen mit der Meditation.



Ruhe im Klosteralltag

Die Ruhe aber, nach der ich mich sehnte, bekam ich nicht. Essentiell war es daher, dass nach Abreise des Großteils der Seminarteilnehmer Ruhe in das Kloster einkehrte und der Klosteralltag auf einen zu wirken begann. Das stete pünktliche Aufstehen zur morgendlichen Meditation, das Samu und die Meditation im Wechselspiel waren eine gute Routine. So konnte man den Alltag hinter sich zu lassen und sich ganz auf die jeweilige Tätigkeit zu fokussieren.

Schon in den ersten Tagen spürte ich eine Veränderung. Ob es die Meditation alleine war, der geregelte Ablauf oder die Kombination aus beidem ist schwer zu sagen. Jede Tätigkeit fügte sich nahtlos an die andere und wenn es doch anstrengend wurde, konnte man sich durch die anderen Klostermitbewohner disziplinieren. Die Klostermitbewohner waren ebenso wie ich an einer Auszeit und an der Meditation interessiert. Nicht zuletzt durch diese Gemeinschaft wurde der Aufenthalt ein sehr guter Aufenthalt. Jeder einzelne hielt sich stringent an den Tagesablauf des Klosters, was insofern bewundernswert ist, dass es vom Klosterleiter nicht vorgelebt wurde. So beteiligte sich Wolfgang weder am Samu, noch meditierte er regelmäßig bei den Mittags- oder Abendsmeditationen mit. Darüber hinaus waren noch andere Merkmale zu erkennen, die an der Seriosität und dem Ernst der Praxis der Klosterleiters zweifeln ließen. Schwierig war vor allem, dass außer der Einführung im Seminar keine weiteren Tipps für die Meditation erfolgten. So hatte ich oft Probleme mit der Haltung. Auch zu der Meditation an sich, zu den Gedanken und den Umgang mit diesen hatte (nicht nur) ich Gesprächsbedarf.



Veränderungen durch die Meditation und das Kloster

Wesentlich davon beirren ließen wir uns jedoch nicht. Wir behielten den Klosteralltag bei und meditieren oft zusätzlich zu den vorgeschriebenen Zeiten. Ich glaube, dass dieser Ernst an der Meditationspraxis, gepaart mit der offenen Einstellung, diese Klostererfahrung so wertvoll gemacht haben. Ich beobachtete recht schnell kleine Veränderungen an mir. So gab es zwischendurch Momente, in denen ich einfach nur gerne in der Natur verweilte. In denen ich den Teich beobachtete und mir zur Abwechslung mal nicht tausend Gedanken im Kopf rumschwirrten. Vor allem morgens, wenn sich der Tau auf die Pflanzen gelegt hatte und die Luft glasklar erschien, fühlte ich mich komplett ruhig und friedvoll. Ich merkte richtig, wie gut es mir ging. Stressgefühle, Gefühle, dies oder jenes machen zu müssen, um seinen eigenen oder anderen Ansprüchen gerecht zu werden, all dies löste sich. Dies ist umso erstaunlicher, als dass ich nur neun zusätzliche Tage im Kloster verweilte. Am zehnten Tag kam es zum Zwist zwischen Klosterbesuchern und Klosterleiter, sodass das Kloster vorzeitig geschlossen wurde. Ich bedauerte das zutiefst, da ich nun gerade ja die positiven Effekte zu spüren begann. Und so meldete ich mich kurzfristig im Tempel Ryumonji an. Die Erfahrung dort sollte der in Liebenau aber in nichts nachstehen.

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