Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen

In der Theorie 13

Stärkung der relevanten Faktoren für Änderungen durch Meditation

Abseits der Auswirkungen auf unser Wohlbefinden und unseren Körper, kann Meditation auch gezieltSprung_über_Abgrund bei Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen helfen. Die Forschung zu solchen Veränderungen geht von folgenden notwendigen Faktoren aus:

  • Motivation
  • Zielsetzung
  • Handlung
  • Durchhalten seines Verhaltens

Um diese Faktoren umzusetzen, bedarf es Aufmerksamkeit, Regulierung der Emotionen, Belohnung und Bekräftigung der durchgeführten Handlungen, Selbst-Bewusstsein/Reflektiertheit und Beobachten des eigenen Verhaltens – alles Prozesse, die die Meditation stärkt (vgl. Teil 1, Selbstregulierung). Denn in der Meditation schärft man seine Aufmerksamkeit durch den Fokus auf ein bestimmtes Objekt. Weiterhin reguliert man seine Emotionen und schafft damit positive Gefühle, die Gewohnheiten verstärken können. Und zuletzt sorgt ein verstärktes Selbst-Bewusstsein dafür, dass man interne Prozesse besser wahrnehmen kann und eine bessere Kontrolle über sein Verhalten erhält.

Ziele, Intention und Motivation reichen nicht aus

Viele Motivationscoaches und Ratgeber betonen die Bedeutung von Zielen. Es wird davon gesprochen, sich Ziele zu setzen, diese sich immer wieder vor Augen zu führen und sich sein Traum- und Idealbild von seinem Leben vorzustellen. 

Doch die Wissenschaft widerspricht anhand von Studien: Ziele und Intention reichen nicht aus. Tatsächlich ist die Macht des Unbewussten wesentlich relevanter. Denn Ursprung und Auslöser unseres Verhaltens gliedern sich in Reiz, Wahrnehmung und Reaktion – Prozesse, die sehr schnell ablaufen und für unser aktives Bewusstsein schwer zu identifizieren sind.

An dieser Stelle setzt die Meditation an. Sie stärkt die Gehirnbereiche, die für die kognitive Kontrolle zuständig sind und reguliert die Hirnregionen herunter, die für die emotionale Prozessierung von Emotionen relevant sind (bspw. die Amygdala). Mit anderen Worten sorgt Meditation dafür, dass wir eine Chance bekommen, entstehende, noch unbewusste Reize bewusst wahrzunehmen, statt sich diesen Reizen unbewusst affektiv hinzugeben. Durch die verbesserte Hirnfunktion erweitert sich unser Bewusstsein und gibt uns die Möglichkeit, in den unbewussten, automatischen Verhaltensprozess einzugreifen.

 

In der Praxis

Raucher_SilhouetteSüchte und Abhängigkeiten 14, 15

In der Praxis zeigen sich die beschriebenen Verhaltensprozesse besonders gut bei Süchten und Abhängigkeiten. Eine Studie mit Rauchern und Nicht-Rauchern ergab diesbezüglich interessante Einblicke in die Wirkung von Meditation. Um die Ergebnisse nicht zu verfälschen, wurden für die Studie explizit Raucher ausgewählt, die nicht an einer Reduktion ihres Rauchverhaltens interessiert waren – das Thema der Studie wurde als allgemeine Stress Reduzierung beschrieben.

Ergebnis der Studie

Zwei Wochen Meditation führten bei den Rauchern dazu, dass

  • 60% der Raucher weniger rauchten
  • 30% der Raucher mit dem Rauchen aufhören
  • Insgesamt das Verlangen nach dem Rauchen zurückging

Weiterhin interessant: In einer weiteren Studie wurde untersucht, ob noch weniger geraucht wird, wenn die Raucher die bewusste Absicht hatten, Ihren Konsum zu verringern. Das Ergebnis unterschied sich nicht signifikant von der anderen Studie.

Mit anderen Worten: Ob die Raucher mit dem Rauchen aufhören wollten oder nicht war irrelevant: Meditation führte bei beiden Gruppen dazu, dass der Konsum in gleicher Ausprägung zurückging.

Erklärung der Ergebnisse

Zunächst einmal ist zu betonen, dass die Hirnscans bei diesen Studien das aufzeigten, was in den Absätzen zuvor bereits beschrieben worden ist: Die Aktivität in den Regionen für Selbst-Kontrolle verbesserte sich deutlich.

Darauf basierend liefern die Autoren der Studie folgenden Erklärungsversuch: Grundsätzlich gibt es unbewusste und bewusste Prozesse, die unser Verhalten bestimmen. Bei Abhängigkeiten stehen vor allem die unbewussten Prozesse im Vordergrund: Es entsteht ein Trigger, der mit dem Rauchverhalten verbunden wird. Dieser führt zu einer affektiven, automatischen Reaktion und dem entsprechenden Verhalten = dem Rauchen. Durch Meditation werden diese automatischen Verhaltensmuster durchbrochen.

Da viele Abhängigkeiten und Süchte Defizite in der Selbst-Kontrolle beinhalten, lassen sich diese Erkenntnisse höchstwahrscheinlich 1:1 übertragen.

Ein Bereich, in dem die Wirkung von Meditation in Ansätzen ebenfalls untersucht wurde, sind Störungen im Essverhalten. Hier wirken die gleichen Mechanismen wie bei Süchten:

Essen führt zu der Aktivierung des Belohnungszentrums, wodurch wiederum das Verlangen nach mehr Essen entsteht. Hirnscans von Menschen mit Essstörungen zeigen, dass diese Belohnungszentren in Hinblick auf Belohnungssensitivität, -Konditionierung und -Kontrolle beschädigt sind. (wie bei Abhängigkeiten) Genauso führen Reize außerhalb des Bewusstseins (Werbung zu Schokoriegeln etc.) zu einem Unbewussten Verlangen und Reaktion.

Abseits des Belohnungszentrums sind auch die Bereiche betroffen, die für Konditionierung, Selbstkontrolle, Stress-Reaktivität und interozeptive Wahrnehmung stehen.

All das sind Bereiche, die Meditation stärken könnte, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass mehrere Studien bereits eine positive Wirkung von Meditation bei der Behandlung von Essstörungen aufzeigen konnten – dennoch besteht hier wohl noch Forschungsbedarf.

 

Stimmungsschwankungen 16

Auch bei Stimmungsschwankungen, insbesondere der Depression, wurde in Studien aufgezeigt, dass bei betroffenen Menschen in der Regel Selbstkontroll-Defizite vorliegen. Meditation stärkt die Selbstkontrolle – daher ist davon auszugehen, dass Meditation auch bei Depression helfen kann. Und genau das konnte in einer Vielzahl von Studien tatsächlich nachgewiesen werden.

In einer Studie wurden dazu Go/No-go und ANT Tests durchgeführt. Diese sind in der Wissenschaft als Tests für die Aufmerksamkeits-Netzwerke im Gehirn anerkannt. Während die depressive Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe zu Beginn der Studie bedeutend schlechter abschnitt, änderte sich dies nach 10 Stunden Meditation (jeweils 30 min pro Sitzung): Nach den Meditationseinheiten waren tatsächlich keine Unterschiede zwischen depressiver Gruppe und der Kontrollgruppe zu erkennen.

Um diese Wirkung noch besser zu verstehen, wurde zusätzlich die Blutversorgung im Gehirn vor und nach den Maßnahmen untersucht: Auch hier zeigten sich deutliche Veränderungen. Während vor den Maßnahmen die für die Selbstkontrolle zuständigen Netzwerke eine Unterversorgung an Blut aufwiesen, war dies nach der Meditation nicht mehr der Fall. Zusätzlich ging mit all dem eine Reduzierung von weiteren Depressionssymptomen einher.

ADHS 17 warnung_icon

ADHS ist eine Krankheit, bei der Störungen in ähnlichen Bereichen des Gehirns wie bei den zuvor genannten Themen auftreten. Diese Störungen finden sich u.a. in:

  • Aufmerksamkeits- und Selbstkontroll-Netzwerken
  • Motorischen Systemen
  • Belohnungs-/Feedback-Prozessierungssystemen

Achtsamkeit kann bei diesen Störungen ansetzen. Tatsächlich helfen alle drei zu Beginn des Artikels vorgestellten Wirkungen der Meditation auch bei ADHS: Aufmerksamkeitskontrolle, Emotionale Regulierung und verändertes Selbst-Bewusstsein. Da ADHS darüber hinaus jedoch zwei unterschiedliche Kernprobleme aufweist, ist auch die Meditationsform je nach Ausprägung sinnvollzu wählen. Die Kernprobleme sind:

  • Aufmerksamkeitsdefizit
    –> man schafft es nicht, seine Aufmerksamkeit länger aufrechtzuerhalten
  • Aufmerksamkeits-Hyperaktivität
    –> man handelt impulsiv

Aufmerksamkeitsdefizite könnte man daher bspw. mit einer konzentrierten Meditation auf den Atem angehen. Aufmerksamkeits-Hyperaktivität könnte man ggf. besser mit einer offenen, beobachtenden Meditation, in der man auftretende Phänomene in sich selbst und der Umgebung achtsam wahrnimmt, angehen. Tatsächlich wurden auch schon Studien zu ADHS und der Wirkung von Meditation durchgeführt. Die Ergebnisse sind vielversprechend und deuten Vorteile und mögliche Erfolge in der Behandlung von ADHS mit Meditation an.

Dennoch ist die wissenschaftliche Studienlage hierzu aktuell noch dünn und die Ergebnisse sind durch weitere wissenschaftliche Studien zu validieren.

 

schüler_silhouetteWirkung von Meditation auf Schüler und Studenten 18

Die Auswirkungen von Meditation werden immer häufiger auch an Bildungseinrichtungen untersucht. Das ist letztlich irgendwo auch naheliegend, da Schulen oder Universitäten große soziale Gefüge aufweisen und einen kognitiven Schwerpunkt (das Lernen) haben.

Im Folgenden sollen verschiedene Studienschwerpunkte vorgestellt werden.

Konfliktbewältigung

Die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, ist nicht nur in Schulen, sondern auch in unserem alltäglichen Leben von großer Bedeutung. In einer Studie wurde diese Fähigkeit daher anhand des Stroop-Tests (ein anerkanntes Maß für die Einschätzung von Konfliktbewältigung) bei Studenten untersucht und mit einer Kontrollgruppe verglichen.

Das Ergebnis: Bereits fünf Meditationseinheiten von jeweils 20 min. führten zu besseren Ergebnissen bei der Meditationsgruppe. Die Studenten dieser Gruppe reagierten deutlich schneller als die Studenten der Vergleichsgruppe bei gleich hoher Genauigkeit.

Kreativität

Kreativität spielt in der Gesellschaft und im Leben eine wichtige Rolle, weshalb der Erforschung von Kreativität zunehmend mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.

In einer Studie wurden Studenten entweder einer Meditations- oder Kontrollgruppe zugewiesen. Die Meditationsgruppe absolvierte für eine Woche täglich 30-minütige Meditationseinheiten. Zu Beginn und am Ende der Studie führten die Studenten den TTCT (Torrance Test of Creative Thinking) durch, um den Grad ihrer Kreativität zu bestimmen.

Das Ergebnis: Die Meditationsgruppe wies nach den Meditationseinheiten deutlich bessere Werte im TTCT auf als die Kontrollgruppe. Die Autoren der Studie vermuten, dass das Maß an Kreativität durch verschiedene Faktoren, u.a. der subjektiven Stimmung, bedingt sein kann. Um dies zu überprüfen, wurden vor und nach dem TTCT standardisierte Fragebögen zur Selbsteinschätzung der eigenen Stimmung von den Studenten ausgefüllt. Und auch hier war das Ergebnis eindeutig: Die Studenten der Meditationsgruppe berichteten nach den Meditationseinheiten deutlich bessere Stimmungen als die Vergleichsgruppe.

Auch die Gehirnaktivität der Meditationsgruppe verstärkte sich, vor allem in Regionen, bei denen vermutet wird, dass sie zuständig sind für

  • das Erkennen von Problemen
  • das Lösen von mentalen Blockaden
  • das Restrukturieren von Problemen
  • das Erkennen von Fehlern
  • das Verstehen von Problemen
  • die generelle Aufmerksamkeitskontrolle

Letztlich also alles Fähigkeiten, die bei kreativen Problemlösungen hilfreich sein können.

Depression 19 warnung_icon

Depression ist eine Krankheit, von der auch Schüler und Studenten zunehmend betroffen sind. In Deutschland hat sich die Anzahl der depressiven Kinder und Jugendlichen im Alter von 10-17 Jahre von 2005 bis 2017 mehr als verdoppelt (!), in der Gruppe von 10-25 Jahren ist Suizid die häufigste Todesursache, noch vor Verkehrsunfällen.20,21 Grund genug, Möglichkeiten der Prävention und Behandlung zu testen, und die Wirkung von Meditation auch bei Schülern zu untersuchen (bei Erwachsenen wurde diese bereits bestätigt, Vgl. Stimmungsschwankungen).

Hierzu wurden in einer groß angelegten Studie in Belgien 400 Schüler zwischen 13 und 20 Jahren entweder einer Meditations- oder Kontrollgruppe zugeordnet. Die Meditationsgruppe durchlief ein 8-wöchtiges MBSR-ähnliches Programm mit jeweils 100 min. langen Sitzungen (inkl. angeleitetem Programm, Erfahrungsaustausch etc.). Anhand von Fragebögen wurden vor und direkt nach der Studie und anschließend noch einmal 6 Monate später Selbsteinschätzungen zu Depression, Stress und innerer Unruhe bei den Schülern abgefragt. Das Ergebnis:

  • vor der Studie:
    • Meditationsgruppe: 21% Depression
    • Kontrollgruppe: 24% Depression
  • direkt nach der Studie
    • Meditationsgruppe: 15%
    • Kontrollgruppe: 27% Depression
  • 6 Monate nach der Studie:
    • Meditationsgruppe: 16%
    • Kontrollgruppe: 31% Depression

Ein recht eindeutiges Ergebnis, das aufzeigt, dass Meditation bei der Behandlung und Prävention von Depression Erfolge erzielen kann. Einziger Wermutstropfen bei der Studie: Es wurde keine aktive Kontrollgruppe genutzt, was die Aussagekraft der Studie etwas abmindert. Trotz allem eine gute Studie, auf der basierend weiter geforscht werden sollte.

Schulleistungen

Schule wäre nicht Schule, wenn es keine Noten geben würde. Daher wurde die Wirkung von Meditation auch in Hinblick auf die Schulleistungen von Studienteilnehmern untersucht.

In einer chinesischen Studie wurden 280 Schüler in zwei Gruppen (Meditationsgruppe, Kontrollgruppe) eingeteilt, die Meditationsgruppe erhielt sechs Wochen lang täglich Meditationseinheiten von 20 min., während die Kontrollgruppe in dieser Zeit Entspannungsübungen durchführte. Die Studie wurde kurz vor den Endjahresklausuren durchgeführt. Untersucht wurden nicht nur die Endjahresnoten der Schüler in Chinesisch, Mathematik und Englisch, sondern auch die Effizienz der Aufmerksamkeitsnetzwerke (ANT Test), die Stimmungslagen der Schüler (POMS Test), die Intelligenz (Progressive Matrizen Test) und der selbst empfundene Stress (PSS Fragebogen).

Das Ergebnis: In zwei von drei erhobenen Aufmerksamkeitsfunktionen zeigten sich deutliche Verbesserungen in der Meditationsgruppe. Ebenso erhöhten sich die Intelligenzwerte (basierend auf dem Progressive Matrizen Test, zudem erhöhte sich der IQ der Probanden) und auch bei den Stimmungslagen wies die Meditationsgruppe vermehrt positive und weniger negative Stimmungen auf. Und zu guter Letzt waren auch die Endjahresnoten der Meditationsgruppe deutlich besser als zuvor.

Den Grund für die verbesserten Schulleistungen sehen die Wissenschaftler in den Anforderungen bei Lernprozessen: Neben der bewussten Steuerung der Aufmerksamkeit ist es ebenso notwendig, Inhalte zu speichern, rational zu denken und positive Emotionen eher zu fördern als Stress, um für eine optimale Lernumgebung zu sorgen. All diese Anforderungen werden durch Meditation verbessert.

 

Wirkung von Meditation auf Altersprozesse 22

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Mit zunehmendem Alter setzen Degenerationsprozesse an verschiedenen Stellen ein. Unter anderem sind die kognitiven Fähigkeiten und Hirnfunktionen betroffen.

DMN

Eine Hirnregion ist dabei besonders betroffen: das Default Mode Network (DMN). Das DMN ist immer aktiv, wenn man nicht fokussiert ist, die Gedanken schweifen lässt oder tagträumt. Auch wenn es keiner konkreten Aufgabe nachgeht, zeigen aktuelle Studien, dass es einen wichtigen Einfluss auf die kognitive Funktion hat.

In Teil I dieses Artikels wurde bereits dargestellt, dass Meditation die Effizienz des DMN erhöhen kann.

Die entscheidende Frage ist jedoch: Hilft Meditation auch beim altersbedingten Rückgang der Funktionen des DMN?

Dazu wurde in einer Forschungskooperation von amerikanischen und chinesischen Wissenschaftlern eine 10-jährige Langzeitstudie mit zwei Gruppen durchgeführt. Die eine Gruppe meditierte regelmäßig, während die Kontrollgruppe regelmäßig Sport machte.

Das Ergebnis: Die Meditationsgruppe zeigte deutliche Verbesserungen in diversen kognitiven Funktionen, u.a. bei der Aufmerksamkeit, der Lernfähigkeit und der Kreativität. Zudem wurde auch eine verbesserte Funktion des DMN festgestellt. Das zeigt auf, dass langzeitige Meditationspraxis altersbedingte kognitive Rückgänge umkehren kann.

Graue Substanz

Doch das DMN ist nicht die einzige Hirnregion, die von Altersprozessen betroffen ist. Tatsächlich zeigen Studien, dass das Gehirn in verschiedenen Bereichen im Alter schrumpft und insgesamt die graue Substanz zurückgeht. Die graue Substanz wird maßgeblich mit der Intelligenz in Verbindung gebracht, ist aber auch für Wahrnehmungsprozesse und motorische Leistungen zuständig. 

In einer Studie wurde daher die Wirkung von Meditation auf die graue Substanz über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet. Neben der Meditationsgruppe gab es eine Kontrollgruppe, die physische Übungen durchführte.

Das Ergebnis: Bei der Meditationsgruppe zeigten sich

  • ein verbessertes psychosoziales Verhalten
  • verbesserte kognitive Fähigkeiten bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernfähigkeit
  • bessere Cortisol- (ein Maß für Stress) und Immunwerte

Vor allem zeigte sich aber auch eine verbesserte strukturelle Plastizität im Gehirn, namentlich im Striatum, eine der wichtigsten Hirnregionen überhaupt. D.h. die Rückgänge in der grauen Masse konnten zum Teil umgekehrt und Alterseffekte kompensiert werden.

DNA 23 warnung_icon

Auch die DNA ist zunehmend Forschungsobjekt bei der Untersuchung der Wirkung von Meditation. Erste Studien deuten darauf hin, dass Meditation die Langlebigkeit fördert und auch mit einer längeren Telomerlänge verbunden ist. Telomere sind DNA-Protein-Komplexe, die die Enden von Chromosomen vor Zersetzung schützen. Problem bei der Geschichte: Telomere verkürzen sich bei jeder Zellteilung. Verkürzte Telomere wiederum sind mit Alterserscheinungen verbunden, weshalb die Telomerlänge von der Wissenschaft als Biomarker für das Altern angesehen wird.

In einer Studie wurden daher diese DNA-Teile bei Langzeitmeditierenden (min. 10 Jahre Meditationserfahrung, min. 1 Stunde pro Tag) und einer Kontrollgruppe untersucht.

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse sind interessant:

  • in der Meditationsgruppe gab es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Telomerlänge und dem Alter; d.h. auch wenn ein Meditierender älter war als der andere unterschieden sich die Telomerlängen kaum voneinander; bei der Kontrollgruppe lag ein Zusammenhang nahe 1 vor
  • es wurden DNA-Methylierungs-Änderungen in spezifischen Regionen bei Meditierenden gefunden… bei der DNA-Methylierung wird die Erbsubstanz einer Zelle verändert; die Wissenschaft kann dies noch nicht so recht deuten, vermutet aber, dass dieser Prozesse einen direkten Einfluss auf die Telomerlänge hat

In weiteren Studien wurde zudem beobachtet, dass Meditation zu einer erhöhten Telomerase führen kann. Die Telomerase ist ein körpereigener Prozess, der die Verkürzung der Telomere ein Stück weit kompensiert, die originäre Länge der Telomere aber nicht sicherstellen kann.

Einschränkungen der Aussagekraft

 Insgesamt deuten viele Indizien darauf hin, dass Meditation auch Auswirkungen auf die DNA selbst hat, also unsere Erbinformationen. Hierzu sind jedoch zwei Einschränkungen zu nennen:

  • die genannte Studie arbeitet mit einer relativ kleinen Teilnehmeranzahl, d.h. die Studie ist nur bedingt aussagekräftig und sollte mit mehr Teilnehmern wiederholt werden; dennoch zeigt die Studie erste mögliche, sehr interessante Zusammenhänge auf, die es zu verfolgen gilt
  • Meditation ist bei weitem nicht alles, was sich auf die DNA auswirkt. Auch Gewohnheiten, seien es im Negativen der Drogenkonsum oder im Positiven eine regelmäßige sportliche Aktivität führen zu DNA-Veränderungen. Meditation ist also nicht als Allheilmittel, sondern als eines von vielen Mitteln mit positiven Auswirkungen zu betrachten.

Schlusswort

Meditation hat zahlreiche, positive Auswirkungen – worauf sich diese wirklich erstrecken ist bei weitem noch nicht bekannt. Die Wissenschaft steckt hier noch in den Kinderschuhen und stößt immer wieder auf neue, interessante Erkenntnisse. Wie jedoch eingangs erwähnt, ist jegliche Forschung zu dem Thema auch mit einer gewissen Grundskepsis zu begegnen. Denn gerade weil der Forschungszweig noch jung ist, können vermeintlich bestätigte Erkenntnisse in einer weiteren Studie oft nicht wiederholt werden. In meiner Recherche für diesen Beitrag ist genau das vorgekommen: Einige Studien, die sich auf Erkenntnisse von anderen Studien stützten, konnten bei Wiederholung bei Meditierenden keinen Unterschied zur Kontrollgruppe feststellen (zumindest keinen signifikanten). Oft liegt es an der wissenschaftlichen Methode selbst, die gewählt wurde – daher empfehle ich auch im Umgang mit neuen Studien immer auch den Studienrahmen (Vgl. Teil I: Wie die Wissenschaft sich manchmal selbst bescheißt) genau zu prüfen und keine Ergebnisse per se zu akzeptieren.

Abseits all dieser kritischer Worte muss jedoch eines festgehalten werden: Die bisher bestätigte Wirkung von Meditation ist divers, äußerst positiv und meines Erachtens schlichtweg wundersam. Meditation kann jedem Menschen einen großen Mehrwert bieten. Auch jeder rationale Mensch sollte sich daher meines Erachtens ohne wenn und aber mit Meditation auseinandersetzen. Und es sollte sich ein neues Bewusstsein entwickeln:

Denn so wie jeder Mensch sich bewusst ist, dass es gut ist, seinen Körper zu pflegen, so sollte sich jeder Mensch bewusst sein, dass es gut ist, seinen Geist zu pflegen…

mit Meditation

 

Disclaimer: Dieser Artikel wurde mit höchster Sorgfalt in wochenlanger kleinteiliger Arbeit erstellt und hat das Ziel, qualitativ wissenschaftlichen Standards gerecht zu werden. Trotzdem lassen sich Fehler nicht ausschließen – in diesem Fall bitte ich um freundlichen Hinweis.

Quellen:
13, 16, 17, 18, 22: Tang, Y.Y., The Neuroscience of Mindfulness Meditation, 2017
14: Tang, Y.Y., Posner, M., Brief meditation training induces smoking reduction, Proceedings of the National Academy of Sciences 110(34), 2013
15: Janes, Datko, Roy, Barton, et al., Quitting starts in the brain: a randomized controlled trial of app-based mindfulness shows decreases in neural responses to smoking cues that predict reductions in smoking, Neuropsychopharmacology volume 44, S. 1631–1638, 2019
19: Raes, Griffith, Gucht, Williams, School-Based Prevention and Reduction of Depression in Adolescents: a Cluster-Randomized Controlled Trial of a Mindfulness Group Program, Mindfulness, 2013

20: ZDF, „Rechtzeitig reden! Suizidgefahr bei Jugendlichen“, in: Frontal 21, Sendung vom 29.10.2019, URL: https://www.zdf.de/politik/frontal-21/suizidgefahr-bei-jugendlichen-100.html, Abruf am 17.05.2020
21: Deutsche Ärzteblatt, „Depressionen machen Kindern und Jugendlichen zunehmend zu schaffen“, 13.08.2019, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/105287/Depressionen-machen-Kindern-und-Jugendlichen-zunehmend-zu-schaffen, Abruf am 17.05.2020
23
: Mendioroz, Puebla-Guedea, Montero-Marín, Urdánoz-Casado, et al., Telomere length correlates with subtelomeric DNA methylation in long-term mindfulness practitioners, Scientific Reports 10, 2020