Etwas, das mir in letzter Zeit sehr schwerfällt, ist mit sich selbst sein.

Mit sich selbst sein im Sinne von „sein“ und „bewusst sein“ und als Gegenbegriff zum zwanghaften Aktivismus oder zwanghaftem Beschäftigungsdrang. Bemerkbar macht sich dies bei mir oft in Momenten, in denen ich mich nach einer erledigten Tätigkeit zufrieden auf mein Sofa setze und einen Moment des Innehaltens verdient hätte. Doch zu diesem Moment des Innehaltens, des bewussten Wahrnehmens und Seins kommt es nicht, denn oft drängt schon die Frage: „Und, was mache ich als nächstes?“

Dies zieht sich durch viele Momente in meinem Leben. Oft denke ich: „Ich muss noch dies oder jenes erledigen, dann kann ich entspannen.“- und lasse den doch so wertvollen Moment verstreichen und denke nur noch an die Tätigkeit. Woher rührt das Ganze? Weshalb ist der größte Unruheherd in meinem Leben ich selbst? Falls du, lieber Leser, dich in diesen Beschreibungen wiederfindest, so beruhigt mich dies. (Oder sollte es mich eher beunruhigen?)



Fehlendes „bewusst sein“ – eine Manie?

Denn schon nach den ersten Worten dieses Artikels merkte ich, dass sich überspitzt formuliert psychotische Züge in mir erkennen lassen. Befragt man Google nach dem Wort Beschäftigungsdrang, so kommt als eines der ersten Ergebnisse eine „Bipolare Störung“ und als Symptom dieser die Manie. Interessant, nicht wahr? Wenn wir davon ausgehen, dass wir keine Einzelfälle sind, sondern ein Abbild der Gesellschaft, so lassen sich krankhafte Züge in der gesamten Gesellschaft erkennen. Siehe dazu auch: Zeitalter der Manie, Prof. Dr. med. Faust, http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychohygiene/zeitalter.html
(interessanterweise bereits 2003 verfasst)

Ich scheine offenbar kein Einzelfall zu sein. Und doch plagt mich das Thema. Nicht weil ich theoretisch weiß, dass Innehalten gut wäre und ein bewusstes, achtsames Leben sinnvoll. Nein, vielmehr spüre ich, dass diese Unruhe innerlich treibt und sich von alleine beschleunigt. Je eher ich diese Unruhe zulasse und weniger mit mir selbst bin, desto unruhiger werde ich und in der Folge auch unerfüllter.  Und so versuche ich mich immer wieder an Prinzipien der Achtsamkeit zu erinnern, die gerade im Alltag so schwer zu erfüllen sind.
(siehe auch: http://lebenswerdung.de/meditation-im-alltag-achtsamkeit-teil-i/)



Nuancen zwischen Achtsamkeit und Manie

Es sind jedoch die Nuancen, die den Unterschied machen. Nuancen, die auch langfristig die Weiche stellen für die persönliche Entwicklung, die man vollziehen möchte. Während ich hier diesen Beitrag schreibe, spüre ich die Tastatur mit meinen Fingerspitzen so deutlich, wie schon lange nicht mehr. Immer mal wieder, wenn ich es schaffe, diese Momente auszuhalten, sitze ich morgens auf der Terrasse und mache- nichts. Und lasse den Tag beginnen und nehme diesen bewusst an. Und jeden Moment, in dem ich mein Handy aus der Tasche nehme, mich des Automatismus erinnere und das Handy ohne Nutzung wieder in die Tasche gleiten lassen, ist ein Sieg für mich.  Und so bin ich froh Momente der Achtsamkeit zu erleben und mich nicht von dem Affen beeinflussen zu lassen, der unser Bewusstsein durcheinanderwirbelt. Ganz im Sinne: „See the monkey- don’t be the monkey“.

Jeder Moment der Achtsamkeit zahlt in meiner Vorstellung auf unser Bewusstseinskonto ein- und unser Geist öffnet sich Stück für Stück. Und gerade dann wenn es am schlimmsten ist und man die größte Eile spürt, sollte man sich an folgendes erinnern:
„Wenn Du in Eile bist, dann gehe langsam…“ (Konfuzius)