Level

für Anfänger geeignet

Kosten

Spendenbasis

 

Art der Meditation

Vipassana

Ort

InBalance – YOGA & MORE
Eimsbütteler Chaussee 37a, Hinterhaus 1. Etage
20259 Hamburg

 

Nach mehrjähriger Erfahrung in der Zen-Meditation entschloss ich mich, eine neue Meditationsart auszuprobieren: Vipassana.

Über Vipassana wusste ich zu diesem Zeitpunkt nur so viel: Vipassana wird auch Einsichtsmeditation genannt, fokussiert sich wie Zen auf den Atem und wird auch gerne in 10-tägigen Retreats praktiziert.  (ok, genug geprahlt!)

Ein Blick auf die Anbieter von Vipassana in Hamburg offenbart: Vipassana ist (zumindest in Hamburg) weniger beliebt als Zen. Eine Erkenntnis, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Denn Vipassana scheint mir deutlich zugänglicher als Zen… doch dazu später mehr.

Erfahrungsbericht

Bei Vipassana Meditation Hamburg meldet man sich als Neuling vorab per E-Mail an. Vor Ort erhält man zunächst eine 45-minütige Einführung (vor dem eigentlichen Programmbeginn). Ich war mit zwei weiteren Neulingen da und war sehr schnell überrascht. Philip, der Meditationsleiter bat uns unkompliziert in den Dojo. Unkompliziert heißt: statt wie in der Zen-Tradition auf Verbeugungen, richtige Hand- und Fußhaltungen achten zu müssen, gab es hier bei Vipassana nichts dergleichen.

Wir liefen ohne weitere Riten oder Reglementierungen in den Raum, schnappten uns wie angewiesen ein Kissen und setzen uns vor unseren Meditationsleiter.
Philip erzählte uns zunächst kurz von sich:

Angefangen hat Philip mit Vipassana vor ca. 17 Jahren. Gelernt hat er vor allem in Deutschland und in Thailand. Kumuliert hat er in Thailand über 1 Jahr verbracht und lehrt Vipassana in Hamburg nun getreu der thailändischen Tradition.

Insgesamt machte Philip einen sehr ruhigen Eindruck und seine Ausführungen waren gut und verständlich. Als erstes fragte er uns auch nach unseren Erfahrungen:
Wer hat bereits Erfahrungen mit Meditation gemacht? Wenn ja mit welcher?

Philip interessierte sich sehr für unsere Erfahrungen: Ob für Zen bei mir oder für eine Atemmeditation, die eine andere Teilnehmerin ausprobiert hatte: Philip machte einen sehr interessierten und wissbegierigen Eindruck und man freute sich, seine Erfahrungen teilen zu können.

Aber keine Angst: Vorerfahrungen sind natürlich nicht obligatorisch. Es folgte aber darauf die obligatorische Frage:

 

Was ist überhaupt Vipassana?

Vipassana ist eine Einsichts- und Achtsamkeitsmeditation. (soweit schon gehört) Es gehe dabei darum, die Dinge so zu sehen, wie sie sind.
Dazu versucht man im Rahmen der Achtsamkeitsmeditation, die vier Arten der Achtsamkeit zu erkennen (beim meditieren). Diese lauten:

  • Körper (man sitzt, steht oder liegt)
  • Geist (man hat Gedanken)
  • Empfindungen (etwas fühlt sich gut an, etwas fühlt sich nicht gut an)
  • Emotionen (Angst, Neid, Lust, Wut…)

So weit so gut- was macht man nun aber genau bei der Meditation?

Was macht man bei Vipassana?

Bei der Vipassana-Meditation gibt es wie bei anderen Meditationsschulen eine Sitz- und Gehmeditation.

Sitzmeditation
Bei der Sitzmeditation greift man wie bei anderen Arten der Meditation auf den Atem zurück. Dazu beobachtet man das Heben und Senken der Bauchdecke und benennt das Heben im Stillen je 3x mit „Heben, heben, heben“ und das Senken je 3x mit „Senken, senken, senken“.

Das entscheidende dabei: Sobald man abdriftet, versucht man auch diese Zerstreuungen, aufkommenden Emotionen oder Empfindungen zu benennen,
bspw.:

  • Denken, denken, denken.

ODER:

  • Wut, Wut, Wut
  • Schmerz, Schmerz, Schmerz

USW. (der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt)

 

Gehmeditation
Das Meditationsprinzip bei der Gehmeditation ist ähnlich. Man läuft Schritt für Schritt nach vorne, bis der Raum zu Ende ist. Dabei benennt man jeden Schritt:

  • Rechter Schritt
  • Linker Schritt
  • Rechter Schritt
  • Linker Schritt

Auch hier gilt: Sobald man konzentrationsmäßig abdriftet und erkennt, dass man nicht bei seinem Körper und dem gerade anstehenden Schritt ist, hält man mit dem nächsten Schritt an und sagt sich im Stillen:

  • Stopp, Stopp, Stopp

Und benennt die Zerstreuung:

  • Denken, Denken, Denken

Was ist das Ziel der Meditation?

Wie eingangs erwähnt ist das eigentliche Ziel, die Dinge so zu sehen wie sie sind. D.h. letztlich die vollständige Erleuchtung zu erlangen.
Realistisch geht es damit los, dass man sich immer stärker auf das Meditationsobjekt fokussiert und die anderen Bereiche stärker ausblenden kann.

D.h. man kann sich während der Meditation besser konzentrieren, kann das Meditationsobjekt länger ohne Zerstreuungen halten und Zerstreuungen schneller bemerken.

Zur Meditationshaltung

Auch bei der Meditationshaltung wird auf Strenge verzichtet und eine bequemere Haltung bevorzugt. Bequem heißt:

  • man sitzt auf einem erhöhten Meditationskissen
  • vor sich legt man das rechte Bein vor dem linken Bein ab, die Knie berühren den Boden
  • den Rücken hält man gerade, aber nicht verkrampft

WICHTIG: die Hüfte sollte höher als die Knie sein

Meditationsablauf

Nun aber zum Meditationsablauf selbst: Meditiert wird in 10 min. „Häppchen“. D.h. jeder Meditationsteilnehmer stellt für sich einen Timer über 10 min. (auf einem Handy oder Wecker) und führt die Meditation im Sitzen durch.

Interessant wird es nun nach den 10 Minuten: Innerhalb von 10-30 Sekunden klingeln nacheinander die Wecker der verschiedenen Teilnehmer. Es folgt eine Gehmeditation, die jeder Teilnehmer ebenfalls eigenständig für sich durchführt, ebenfalls über 10 Minuten. Nach diesen 10 Minuten folgt erneut die Sitzmeditation. Usw. Ein Ablaufplan könnte also wie folgt aussehen:

Beginn: 20:30, Ende: 21:50

> 1. Sitzmeditation | Dauer: 10 min.
> 1. Gehmeditation | Dauer: 10 min.
> 2. Sitzmeditation | Dauer: 10 min.
> 2. Gehmeditation | Dauer: 10 min.
> 3. Sitzmeditation | Dauer: 10 min.
> 3. Gehmeditation | Dauer: 10 min.
> 4. Sitzmeditation | Dauer: 10 min.
> 4. Gehmeditation | Dauer: 10 min.

Den einzelnen Teilnehmern steht es aber frei, die Meditationslänge zu variieren. Hierzu fragte Philip vor Beginn der Meditation, wer gerne länger meditieren möchte.

Gesamteindruck

Die Meditation, vor allem aber auch der Ablauf des Abends mutete mir zunächst etwas komisch an. Gerade die Weckertöne nach jeder 10 minütigen Sitzung/Gehmeditation machten mir Sorge: Wie sollte ich mich so je vertieft in die Meditation begeben können?

Tatsächlich störten die Weckertöne mich aber kaum, sondern waren sehr schnell als bekannte Hintergrundgeräusche ausgeblendet. (und das, obwohl ich eigentlich meist sehr geräuschempfindlich bin) Die Meditationslänge störte mich auch nicht: Das ein oder andere Mal hätte ich sicherlich länger sitzen können. Aber durch die Kürze ist man auch irgendwie gezwungen sich besser zu konzentrieren- und schafft vielleicht gerade deshalb bessere Meditationen.

So oder so- die Meditationslänge hat mir nicht geschadet. Im Gegenteil: Schon lange konnte ich nicht mehr so gut meditieren. Das lag aber sicherlich auch an dem Format der Vipassana Meditation selbst:

Das Benennen des Hebens und Senkens der Bauchdecke, ebenso der Zerstreuungen mutet zunächst vielleicht als fast schon kindisch an. Aber gerade diese Simplizität hat für mich eine gute Wirkung.

Denn beim Zählen der Atemzüge, wie in anderen Meditationsformen üblich, konzentriere ich mich oft zu sehr auf das Zählen selbst und vernachlässige die Achtsamkeit, um die es letztlich geht.

Und beim ausschließlichen Beobachten des Atems drifte ich (zumindest in letzter Zeit) zu oft ab, ohne es zu bemerken.

Das Benennen der aktuellen inneren Vorgänge erscheint mir hier aktuell ein perfekter Kompromiss.

Insgesamt war der Vipassana Abend trotz allem anstrengend. Meditation ist schließlich kein Selbstläufer, sondern eine intensive Konzentrationsübung.
Abseits davon ist Vipassana Meditation Hamburg uneingeschränkt zu empfehlen. Neben guten Räumlichkeiten und Ausstattung (Meditationskissen & Unterlagen), wirken alle Praktizierenden freundlich; und mit Philip ist ein kompetenter Meditationslehrer vor Ort.

 

 

Wertung

(entgegen aller Weisheit in Fernost, das Urteilen zu lassen…)

P

schöne Räumlichkeiten

P

schöner Dojo

P

sehr gute Einführung

P

gute Atmosphäre

P

keine Riten oder Reglementierungen

O

jeder meditiert für sich (kein gemeinsamer Meditationsablauf)