Tatsächlich entschied ich mich, meinen Aufenthalt fortzusetzen. Dies geschah weniger aus Disziplin, sondern vielmehr aus praktischen Überlegungen: Wo sollte ich nach meinem Klosteraufenthalt hingehen? Die Wohnung war zwischenvermietet und zurück ins Elternhaus wollte ich nicht für mehrere Wochen.

Zudem hatte ich mir vor meinem Klosteraufenthalt geschworen so lange zu bleiben, bis ich bedeutend weitergekommen bin. Gerade jetzt, da sich meine Fortschritte offenbar in Luft auflösten, konnte ich daher unmöglich aufgeben.



Zurück zur positiven Erfahrung

Und so blieb ich und machte den Klosteralltag mit, als sei nichts gewesen. Und das Erstaunliche war: Dieses Vorgehen wirkte. Von einem auf den anderen Moment, waren die Zweifel zwar nicht verschwunden, hatten aber doch deutlich an Ihrer Intensität verloren. Und damit öffnete ich mich, glaube ich, wieder mehr der Erfahrung- ohne die ganze Zeit zu viel nachzudenken. Die Meditationen waren mal gut, mal anstrengend. Aber auch wenn sie anstrengend waren, waren sie doch immer die Zeit wert. Ich merkte, dass selbst wenn die Meditation nicht gut gewesen ist, die Wirkungen im Alltag dennoch nicht ausblieben. Die Ruhe kehrte zurück und mit ihr oft ein Gefühl der Präsenz und des Klarblicks. Manchmal fühlte ich mich ganz und gar in dem Moment, so wie es auch in der Meditation beabsichtigt ist. Nach und nach kamen Eingebungen, Gefühle und Gedanken, die ich zuvor in dieser Intensität noch nicht gespürt hatte. Von einigen dieser Gedanken oder Gefühle werde ich euch in anderen Beiträgen berichten. Ich fühlte mich besser, als noch zuvor. Oft saß ich einfach nur im Klostergarten, schaute den Wolkenformationen im Himmel zu oder lauschte dem Plätschern im Teich. Sicherlich gab es auch Schwankungen. In einer Phase hatte ich besonders intensive Schmerzen beim Meditieren. Die Fußgelenke schmerzten, zudem hatte ich ständig das Gefühl nicht aufrecht zu sitzen. Mal versuchte ich mich nach links oder rechts auszugleichen, mal nach vorne oder hinten. Aber das Gefühl blieb und war nicht sonderlich förderlich für die Meditation. Wie zuvor harrte ich einfach in der Situation aus und die Zeit übernahm den Rest.



Weitere Hilfen für meinen Klosteraufenthalt

Während die Zeit gewiss einen großen Anteil am Überwinden von Tiefpunkten und anderen Schwierigkeiten hatte, gab es ebenso viele andere Faktoren, die mir in solchen Situationen geholfen haben. Sehr hilfreich war es, eine Vertrauensperson in Form der festzugeteilten Nonne zu haben, die einem bei Problemen immer zur Seite stand. Ich teilte oft meine Bedenken mit und auch wenn sie diese nicht beheben konnte, so half es doch mit jemandem darüber zu reden. Ebenso war es schön, weitere Klostergäste zu haben, mit denen man sich eben auch über Schwierigkeiten und so vieles mehr unterhalten konnte. Gerade durch den engen Austausch fühlte man sich nicht allein in seiner Suche und die Tätigkeiten, vom Samu bis hin zur Meditation fielen einem gemeinsam leichter. Ich lernte während meines Aufenthaltes sehr viele tolle Persönlichkeiten kennen. Für jede dieser Begegnungen bin ich sehr dankbar, denn sie haben mir gezeigt, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin.

Das Wichtigste für mich war wohl aber meine Einstellung. Letztlich war es eine bewusste Entscheidung zu sagen: „Ich ziehe das durch und missachte meine gegenwärtigen Zweifel“, ebenso wie es oft eine bewusste Entscheidung war, mich in bestimmten Situationen auf bestimmte Sachen zu konzentrieren oder manches einfach nur zu akzeptieren. Wenn ich mal wieder Zweifel, Werturteile oder negative Gedanken hatte, habe ich manchmal versucht, mich auf andere Dinge zu fokussieren. Manchmal habe ich versucht, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Das, was jedoch am meisten geholfen hat, war es einfach zu akzeptieren: Zu akzeptieren, dass ein solcher Gedanke kommt und er wieder geht. Neben der Achtsamkeit ist dies ein Kernbestandteil der buddhistischen Lehre, den ich in diesem Moment das erste Mal richtig verstand.

Ich erinnere mich an die Aussage eines Mönches im Kloster: Auch wenn man die Zeremonien oder Rituale fremdartig empfindet, so sollte man sich doch auf alles komplett einlassen und seine Aufmerksamkeit widmen. Nur so praktiziere man Zen.

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