Hinweis: Dieser Artikel ist ein Teil der Artikelserie: „Buchrezension: Wie Siddhartha zum Buddha wurde

Vorab: Zu den Reisen Buddhas

In dem Buch werden detailliert die Reisen von Buddha durch die verschiedenen Städte und Königreiche beschrieben. Da sich innerhalb der letzten 2.500 Jahre die Namen und Grenzen der Städte und Länder verändert haben, fällt ein genaues Nachvollziehen der Reisen ohne Weiteres schwer.

Anbei findet ihr daher eine angereicherte Google Maps Karte, anhand derer ihr die historischen Wirkungsstätten Buddhas besser nachvollziehen könnt.

Mit Klick auf dieses Symbol könnt ihr euch gezielt die Städte oder Regionen abfiltern, die ihr näher betrachten wollt:   

 

 

 

Inhaltliche Zusammenfassung: Drittes Buch

Hinweis: Das Buch „Wie Siddhartha zum Buddha wurde“ ist in drei Bücher unterteilt. Dies ist die inhaltliche Zusammenfassung des dritten Buches.

Im dritten Buch wird noch umfassender auf die Bestandteile der buddhistischen Lehre eingegangen. Dies geschieht wie in den Kapiteln zuvor in Lehrreden, die Buddha zu verschiedenen Anlässen an verschiedenen Orten hält. Darüber hinaus kommt es auch in diesem Teil des Buches zu einer Vielzahl an Begegnungen, zudem nehmen Hass und Missgunst gegenüber der Gemeinschaft des Buddhas zu.

Wie man die Lehre richtig versteht – und wie man sie missversteht

Zu Beginn des dritten Buches lehrt Buddha, wie wichtig das bewusste Atmen für die Praxis allgemein ist. Nur mit einer gewissenhaften Übung des Atmens schaffe man es, die vier Grundlagen der Achtsamkeit und die sieben Faktoren des Erwachens zu meistern. Beides sei wiederum Voraussetzung, um die Erleuchtung zu erlangen. Unabhängig davon kommt es kurze Zeit später in einem Kloster zu einem kollektiven Selbstmord. Nachdem Buddha zu einer anderen Gelegenheit gelehrt hatte, wie unbeständig der Körper sei, entwickelten einige Mönche eine Abneigung gegen den Körper und wollten nicht länger leben. Buddha war darüber zutiefst betrübt und lehrt daraufhin die Gemeinschaft:
„Erleuchtung und Freiheit werden nicht erlangt, indem man die Welt flieht. […] Ein befreiter Mensch klammert sich weder an alle [Erscheinungen], noch empfindet er Abneigung gegen sie. Anhaftung und Ablehnung sind beides Stricke, die binden.“
Weiterhin betont Buddha, dass es sehr wichtig sei, die Lehre richtig zu verstehen: Die Lehre sei nämlich lediglich ein Hilfsmittel, um die Wahrheit zu erkennen, nicht die Wahrheit selbst. So wie ein Finger, der auf den Mond zeigt, nicht der Mond selbst ist. Auch an den Lehren anzuhaften sei daher falsch. Hierzu erleben Buddha und einige Bhikkhus in der nächsten Zeit eine Situation, die hierfür ein gutes Beispiel darstellt: Eines Tages bekommen Buddha und einige Bhikkhus mit, wie sich zwei Asketen lautstark über Buddhas Lehre unterhalten. Während der eine die Lehre lobpreist, kritisiert der andere die Lehre. Buddha erklärt hierzu:
[…] Wann immer ihr jmd. das Dharma kritisieren oder verspotten hört, so reagiert darauf nicht mit einem Gefühle des Zorns, der Verärgerung oder Empörung. Solchen Gefühle fügen nur euch selbst Schaden zu. Wann immer ihr jemanden mich oder das Dharma lobpreisen hört, so reagiert darauf nicht mit einem Gefühl des Glücks, der Freude oder Befriedigung. Auch das wird nur euch selbst schaden. Die rechte Haltung ist, die Kritik zu untersuchen, um zu sehen, was an ihr richtig und was falsch sein mag. Nur wenn ihr so handelt, fördert dies eure Studien, und ihr macht wirkliche Fortschritte
 

Die vorherrschenden religiösen Bewegungen zur Zeit Buddhas

Nach diesen Lehrreden wird Buddha von einem sehr intelligenten Brahmanen namens Sonadanda besucht. Er wird von vielen Brahmanen begleitet, die sehen wollen, wie Sonadanda Buddha mit der brahmanischen Lehre übertrifft.

Buddha stellt Sonadanda Fragen zu seinen Ansichten und lobt ihn nach seinen Antworten für seine Einsicht und Weisheit. Sonadanda bittet daraufhin Buddha, seine Lehre auszuführen. Sehr schnell ist auch Sonadanda von Buddhas Lehre angetan und überzeugt. Er bittet Buddha um die Ordination. In der Folge werden auch weitere Brahmanen Schüler Buddhas.

Es folgt eine Ausführung über die zur Zeit Buddhas vorherrschenden religiösen Bewegungen:

  • Purana Kassapa: Jegliche Moral und Ethik werden verneint. Gut und Böse sind den Anhängern zufolge nur Vorstellungen, die aus Gewohnheit und Übereinkunft erwachsen.
  • Anhänger von Makkhali Gosala: Individuen besitzen keine eigene Kontrolle. Das Lebensschicksal ist vorbestimmt. Auch wenn jemand erleuchtet sein sollte, geschieht dies wegen des Schicksals, nicht aufgrund eigener Bemühung.
  • Ajita Kesakambali: Menschen bestehen aus den vier Elementen. Wenn man stirbt, bleibt nichts übrig, daher muss man so viel genießen wie möglich
  • Pakudha Kaccayana: Die wahre Seele und der wahre Körper können nicht zerstört werden. Der Mensch besteht aus sieben Elementen. Geburt und Tod sind nur zeitweilige Verknüpfungen dieser Elemente, die wahre Essenz ist indes unsterblich
  • Sanjaya Belathhiputta: Theorie der Relativität. Wahrheit ändert sich entsprechend den Umständen, der Zeit und dem Ort. Bewusstheit der Menschen als Maßstab der Dinge
  • Nigantha Nataputta: Anhänger praktizieren strenge Askese. Keine Kleidung wird getragen, keine Lebewesen getötet. Zugrunde liegt ein dualistischer Fatalismus: Zwei Kräfte, jiva und ajiva, belebtes und Unbelebtes bilden die Basis des Universums. Die Sekte hatte teilweise einen großen Einfluss

 

Eifersuchten und Verleumdungen nehmen zu

Buddha hält in den folgenden Kapiteln tiefgehende Ausführungen über seine Lehre. Thematisiert werden die Lehre der zwölf Kettenglieder der Existenz und die vier großen Fallen auf dem Weg zur Erleuchtung.

Zwischenzeitlich wird Buddha in seiner Belehrung von einer Frau mit einem runden Bauch unterbrochen, die behauptet, Buddhas Kind in sich zu tragen. Buddha lächelt jedoch nur und sagt:

„Nur du und ich können wissen, ob deine Behauptung wahr ist oder nicht.“

Die Frau wird durch die ruhige Art des Buddha verunsichert. Sie läuft los und verliert dabei den Holzblock, den sie sich um ihren Bauch gebunden hatte; ihr Bauch ist wieder flach und die Gemeinschaft ist erleichtert. Hinter diesem gescheiterten Versuch stecken einige Brahmanen, die Buddha den Erfolg missgönnen und die Gemeinschaft zu diskreditieren versuchen.

Auch innerhalb der Gemeinschaft kommt es kurz darauf zu Eifersüchtigkeiten. Sariputta, einem der besten Schüler Buddhas, wird vorgeworfen, einen anderen Schüler gestoßen zu haben. Buddha bittet Sariputta in der Folge, sich vor der gesamten Gemeinschaft zu erklären. Sariputta führt aus, wie sehr er sich bemüht, achtsam zu leben und die Lehre zu praktizieren. Er tut das mit einer solchen Demut, dass dem Schüler seine Verleumdung sehr schnell leidtut: er gibt vor der Versammlung seine Verfehlung zu. Sariputta entschuldigt sich bei dem Schüler, sollte er irgendetwas gesagt haben, was seine Missgunst wecken könnte und Sariputta und Schüler verbeugen sich voreinander.  

 

Weitere Ausführungen zur Lehre

Welche Lehre ist die richtige?

Auf Wanderschaft wird Buddha gefragt, welche der vielzähligen Lehren, die existierten, denn richtig sei. Woher könne man wissen, dass man der richtigen Lehre folge?

Buddha daraufhin: „Nehmt nur Lehren an,

  • die mit eurer Einsicht übereinstimmen
  • die von den Weisen und Tugendhaften unterstützt werden
  • die in die Praxis umgesetzt, Glück und Nutzen bringen“

Wichtiger Kern des Ganzen ist, dass Buddha nur reflektierte Menschen als seine Schüler haben möchte. Blinde Gefolgschaft lehnt er ab.

Hindernisse auf dem Weg

Als Buddha und die Gemeinschaft an einem Fluss vorbeikommen, entdeckt Buddha ein Stück Treibholz. Er erklärte hierzu: „Dieses Treibholz wird bis zum Meer treiben, wenn es sich auf dem Weg nicht ablenken lässt. So wie ihr bis zum Ziel gelangen werdet, wenn ihr euch nicht ablenken lasst.

Konkret heißt das:

  • bleibt nicht am Ufer hängen; d.h.: lasst euch nicht durch die sechs Sinne und ihre Objekte verwirren
  • sinkt nicht; d.h. lasst euch nicht durch Gier und Verlangen unterjochen
  • bleibt nicht im Grund stecken; d.h.: sorgt euch nicht nur um die eigenen Wünsche, eigenen Vorteile und das persönliche Ansehen
  • lasst euch nicht aus dem Wasser fischen; d.h. verliert euch nicht in Zerstreuung, indem ihr Zeit mit Menschen von schlechtem Charakter vertut
  • verfangt euch nicht in einem Strudel; d.h. lasst euch nicht durch die fünf Arten von Begierden binden (gutes Essen, Sexualität, Geld, Ruhm und Schlaf)
  • verfault nicht von innen; d.h. lebt nicht in unechter, heuchlerischer Tugend, indem ihr die Sangha täuscht und das Dharma für eure eigenen Wünsche missbraucht“

Ein junger Büffelhirt in der Nähe lauschte dieser Belehrung Buddhas und bittet daraufhin, Schüler Buddhas zu werden. Buddha erklärt sich einverstanden und gibt ihn in die Obhut von Svasti, ehemals ebenfalls Büffelhirt. Svasti ist mittlerweile 39 Jahre alt und gehört zu den erfahrenen Mönchen.

Ist Buddhismus Nihilismus?

Buddha gibt weitere Belehrungen über die „Acht Erkenntnisse großer Wesen“, wie man Leid durch Verstehen und Einsicht lindert und über das Bewusstsein und die Leerheit. Daraufhin wird Buddha gefragt, ob er Nihilismus lehre.

Buddha daraufhin: „Ich habe niemals gelehrt, das Leben zu verneinen. Unter allen falschen Auffassungen gibt es zwei primäre:

  • Auffassung vom Sein: Alle Dinge werden betrachtet, als hätten sie eine beständige, eigenständige Selbst-Natur
  • Auffassung vom Nicht-Sein: Alle Dinge werden betrachtet, als wären sie eine Illusion

Beide Auffassungen sind zu extrem. Das Entstehen in Abhängigkeit transzendiert beide Extreme und verweilt in der Mitte. Sein und Nicht-Sein sind Vorstellungen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Die Wirklichkeit überschreitet die Begrenztheit solcher Vorstellungen.“

Vier Berge, die sich unaufhaltsam nähern

In einem Gespräch mit dem König Pasenadi zeigt Buddha auf, wie wichtig er die spirituelle Praxis erachtet:

„Es ist wie in einem Königreich, wo sich vier Berge unaufhaltsam von allen Richtungen nähern. Man hat keine Möglichkeit auszuweichen. Genauso verhält es sich mit Geburt, Alter, Krankheit und Tod. In beiden Fällen ist es sinnvoll, die bleibenden Stunden so würdig, klar und heiter wie möglich zu leben und der wahren Lehre zu folgen.“

Jeder sieht einen (anderen) Teil der Wahrheit

In einer Regenzeit beobachten die Anhänger Buddhas, wie verschiedene Sekten in Savatthi wild diskutierten, welche Lehre die richtige sei. Buddha erzählte den Bhikkhus daraufhin eine Geschichte:

„Ein König ließ mehrere blinde Menschen versammeln und bat diese, einen Elefanten zu berühren. Anschließend sollten sie beschreiben, was sie vor sich hätten. Jeder dieser Menschen berührte einen anderen Teil des Elefanten und so stritten sich bald alle Blinden, was die Wahrheit sei. So ist es auch mit der Wirklichkeit. Jeder sieht nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit. Wenn man diesen Teil für das Ganze hält, wird man zum Schluss ein entstelltes Bild haben. Daher ist es unabdingbar bescheiden und aufgeschlossen zu sein, um auf dem Pfad Fortschritte zu machen.“

Randnotiz: In diesem Teil gleicht der Buddhismus stark dem Daoismus. Auch im Daoismus gibt es eine sogenannte Soheit, das Dao. Aus diesem Dao gehen alle Erscheinungen hervor, im Daoismus als die Welt der 10.000 Dinge beschrieben.

 

Fallen auf dem Weg

Buddha betont in seinen Lehren immer wieder, wie wichtig es sei, nicht vom rechten Wege abzukommen. (siehe hierzu: Hindernisse auf dem Weg) In einem Gespräch mit Svasti erzählt Rahula von dem Bhikkhu Vangisa, der immer wieder über Hindernisse in seiner Praxis gestolpert ist und vielen als Beispiel dienen sollte. Vangisa war zuvor Dichter und galt als sehr intelligent und begabt. Auch für die Gemeinschaft hatte er mehrere Gathas (Anmerkung: eine Art Gedicht) verfasst, in der er Buddha, Dharma und Sangha lobpreist. Das erste Hindernis, auf das Vangisa stößt, ist die sinnliche Begierde. Er fühlt sich zu einer jungen Frau hingezogen, die regelmäßig zum Kloster kommt, um Opfergaben zu bringen. Vangisa vertraut sich Ananda an und bittet ihn um Hilfe. Ananda weist Vangisa an, seine Bewusstheit auf die Objekte des Bewusstseins zu richten, um die leere und unbeständige Natur aller Dharmas klar zu erkennen. So schafft es Vangisa seine sechs Sinne zu beherrschen. Als nächstes neigt Vangisa zu Überheblichkeit. Einige Mönche in der Gemeinschaft verachtet Vangisa insgeheim. Doch durch seine gewissenhafte Übung in der Achtsamkeit kann Vangisa dies realisieren und seine Überheblichkeit überwinden. Er schreibt zu seinen Erkenntnissen jeweils Gathas. Zur Überheblichkeit schreibt er:
Schüler des Buddha, überwindet eure Überheblichkeit! Der Pfad des Stolzes Führt nur zum Leiden. Der Mann der schweigend seine Überheblichkeit verbirgt, ist auf dem Weg zur Hölle- so sicher wie der Mann, der vor Stolz ganz aufgebläht ist. Sucht stattdessen das Glück eines friedvollen Herzens! Übt Achtsamkeit, um die drei Kenntnisse zu verwirklichen. Wahrer Erfolg kann nur gedeihen, wo die Überheblichkeit gezähmt.
Nach der Überwindung einiger weiterer Hindernisse erreicht Vangisa die Erleuchtung. Svasti erinnert sich an eine weitere Belehrung des Buddha, in der er die Sinnesorgane mit dem Meer verglichen hatte:
„Bhikkus, eure Sinnesorgane sind ein tiefer Ozean, in dem es Ungeheuer, Strudel und gefährliche Strömungen gibt. Übt ihr euch nicht fortwährend in Achtsamkeit, so wird euer Boot angegriffen und von Seeungeheuern, Strudeln und gefährlichen Strömungen unter Wasser gedrückt.“

 

Probleme innerhalb der Gemeinschaft

Im Zusammenleben innerhalb der Gemeinschaft kommt es immer wieder zu Reibereien. Bhaddali, ein Mönch mit wenig Disziplin, bricht fortwährend die Regeln. Statt während des Essens sitzen zu bleiben und erst nach dem Essen der ersten Portion eine zweite Portion zu holen, kann Bhaddali nicht warten. Auch in anderen Dingen leistet sich der Mönch immer wieder Unzulänglichkeiten, die die Geduld der Gemeinschaft auf die Probe stellt.

Nachdem Bhaddali monatelang keinen Fortschritt machte, wurden die Mönche ungeduldig und behandelten ihn teilweise sehr schroff.

Buddha, der davon mitbekommt, spricht vor der Gemeinschaft:

„Auch wenn einer unserer Mitglieder häufiger Fehler macht, so sind zweifellos Keime des Vertrauens und der Liebe in ihm. Versucht diese Keime und die Liebe zu schützen, indem ihr ihn freundlich behandelt. Stellt euch vor: Ein Mitglied einer Familie verliert in einem Unfall ein Auge. Die Familie wird in der Folge alles tun, um das verbliebene Auge zu schützen. Seid diese Familie für Bhaddali.“

Auch wenn Buddha sehr mitfühlend und geduldig war, so konnte er auch äußerst streng sein. Im Gespräch mit einem Pferdetrainer, tauschen sie sich über die Behandlung von Pferden bei der Dressur aus. Nachdem der Pferdetrainer Buddha seine Methoden erzählt hat, fragt er ihn nach den Methoden zur Unterrichtung der Mönche. Buddha lächelt und sagt, dass er genauso verfahre wie der Pferdetrainer:

  • Manche Mönche reagieren auf Freundlichkeit
  • Manche Mönche bedürfen Strenge und Freundlichkeit
  • Andere Mönche wiederum reagieren weder auf Strenge noch auf Freundlichkeit. Diese muss man töten.

Als der Pferdetrainer sich erschrickt, führt Buddha weiter aus: „Ich töte ihn nicht in der Weise, wie du ein Pferd tötest. Vielmehr nehme ich diese Person nicht als Schüler an und das ist ein sehr großes Unglück. Denn die Lehre innerhalb einer Gemeinschaft praktizieren zu können, ist eine Gelegenheit, die sich nur alle tausend Lebzeiten ergibt. Es ist letztlich der spirituelle Tod für diese Person.“

 

Intrigen innerhalb der Gemeinschaft

Wie in den Kapiteln zuvor bereits angeklungen, kommt es in der Gemeinschaft Buddhas immer wieder zu Intrigen, Verleumdungen und Eifersuchten.

Devadattas Intrige

Den Gipfel bildet Devadatta, der subtil Kritik an Buddha äußert und so nach und nach eine Vielzahl an Anhängern in der Gemeinschaft und Bevölkerung für sich gewinnen kann (unter anderem auch Prinz Ajatasattu, Sohn von König Bimbisara). Devadatta ist ein Cousin Buddhas und langjähriger Schüler. Hauptpunkte der Kritik sind, dass der Buddha mit seinen mittlerweile 72 Jahren zu alt sei, um die Gemeinschaft zu leiten. Und dass die Auffassung des Buddha von der Lehre veraltet und überholt sei und an den Bedürfnissen der jungen Leute vorbeigehe.

Um letztlich einen Bruch mit dem Buddha zu erzwingen, schlägt Devadatta dem Buddha vor der Gemeinschaft strengere Regeln vor. Dieser lehnt unter Nennung diverser Gründe diese Regeln ab. Devadatta ist zufrieden und nutzt die abgelehnten Regeln, um den Mönchen aufzuzeigen, dass der Buddha scheinheilig sei und mit der Gemeinschaft kein diszipliniertes, mit der Lehre konformes Leben führe.

Devadattas Gemeinschaft koppelt sich schließlich von Buddhas Gemeinschaft ab und hat in kurzer Zeit bereits 500 Anhänger.

 

Anschläge auf den Buddha

Eines nachts nimmt der Buddha nach der Meditation einen Mann mit einem Schwert wahr, der sich hinter einem Baum versteckt. Buddha spricht ihn an und er gesteht, beauftragt worden zu sein, ihn zu töten. Er erzählt, dass er mehrfach angesetzt habe, es dann doch nicht über das Herz bringen konnte. Buddha gibt ihm einen Rat wie er sich verhalten soll, damit er eine Konfrontation mit seinem Auftraggeber vermeiden kann. Der Mann dankt ihm und flieht.

Einige Tage später steht Buddha an einem Berghang und es stürzt ein Felsbrock auf ihn hinab. Nur durch Glück wird dieser Felsbrocken durch zwei andere Felse aufgehalten. Ein kleinerer Stein jedoch bohrt sich in den Fuß des Buddha. Um den Schmerz zu besänftigen, fokussiert sich Buddha auf den Atem.

Zehn Tage nach dem letzten Anschlag stürmt plötzlich ein Elefant auf Buddha und die Bhikkhus während ihres Almosengangs. Viele Menschen geraten in Panik, doch der Buddha bleibt stehen undstößt plötzlich einen majestätischen Schrei aus. Es handelt sich dabei um einen Schrei, den er einst von einer Elefantenkönigin im Wald gelernt hatte. Der Elefant hielt abrupt inne und ging vor dem Buddha in die Knie. Dies war der letzte der drei Anschläge, die auf den Buddha verübt wurden.

 

Was ist wahres Glück?

Nach dieser Anschlagsserie beginnt im Kloster schließlich wieder die Regenzeit und Buddha hält regelmäßig Lehrreden. In seiner ersten Rede geht es um das Glück:

Glück ist nicht das Resultat befriedigter Sinnesfreuden.
Sinnesfreuden schaffen die Illusion von Glück, sind aber in Wahrheit Quelle des Leidens.“

„Stellt euch einen Aussätzigen vor, der allein im Wald lebt und jeden Tag große Schmerzen leidet. Sein Fleisch löst sich auf und um sich Linderung zu verschaffen, macht er ein großes Feuer und röstet seine Glieder darüber… glücklicherweise gesundet der Aussätzige über die nächsten Jahre und kehrt in sein Dorf zurück. Als er einen Ausflug in den Wald macht, sieht er eine Gruppe von Aussätzigen, die ihre Glieder über Feuer rösten. Er empfindet Mitgefühl und versteht, dass das was er einst als so angenehm und tröstlich empfunden hatte, für die, die gesund sind eine Quelle des Schmerzes darstellt.

Genau in dieser Weise bringen Sinnesfreuden nur jenen Glück, die krank sind. Ein gesunder Mensch hält sich von den Flammen der Sinnenbegierden fern. Denn er weiß, dass die Quelle wahren Glücks in einem Leben in Ruhe, Gelassenheit und Freiheit liegt.

Es geht darum, im gegenwärtigen Moment vollkommen bewusst zu sein, was geschieht- frei von Anhaftung und frei von Abneigung. Manche Menschen denken, man muss in der Gegenwart leiden, um zukünftig glücklich zu sein. Andere Menschen denken, dass man sich nicht mit der Zukunft beschäftigen solle und lieber in der Gegenwart alle Sinnenbegierden befriedigen solle. Im Pfad des Buddha werden beide Extreme vermieden. Stattdessen soll das Glück sowohl in der Gegenwart, als auch in der Zukunft gefördert werden. Ein Mönch schafft Glück für sich und seine Mitmenschen durch die Art wie er isst, wie er meditiert und wie er lebt.“

 

Können auch Laien glücklich sein?

Doch auch für Laien ist Glück möglich. In der Hauptsache muss man aufpassen, sich nicht durch den Wunsch nach Reichtum von der Arbeit aufzehren zu lassen. Denn das könne dazu führen, dass man Glück für sich und seine Familie nicht verwirklicht. Das Glück geht vor und kann einfach geschaffen werden, mit:

  • Einem Blick voller Verständnis
  • Einem zustimmenden Lächeln
  • Einem liebevollen Wort
  • Einem gemeinsamen Mahl in Herzlichkeit und Bewusstheit

In der Folge stellte Buddha sechs Handlungen vor, die zu vermeiden sind und zehn Regeln, die für Glück zu verwirklichen sind. Die Laienschüler sind von Buddhas Rede gerührt und fragen: „Wie können wir ein Leben noch mehr in Muße führen, wo wir durch so viele Verantwortlichkeiten gebunden sind?“

Daraufhin schlägt der Buddha vor, zweimal im Monat Tage für die Laien zu machen, wo diese den Klosteralltag eines Mönches oder einer Nonne vollständig mitmachen können. Während dieser Zeit beachten sie Acht spezielle Vorschriften für die Laien. Nach dieser Erfahrung kehren sie wieder in ihr weltliches Leben zurück und beachten die fünf Regeln für Laienanhänger.

 

Von den Vorzügen des Dharma

Im weiteren Verlauf wird Buddha von König Ajatasattu besucht. König Ajatasattu hatte vor kurzem seinen Vater, König Bimbisara (ein Freund von Buddha) umbringen lassen. Auch Devadatta hatte er in seinem Ansinnen unterstützt, Buddhas Gemeinschaft zu spalten. Nun ereilen König Ajatasattu Albträume und auch tagsüber ist er stets nervös und gereizt. Beim Buddha sucht er Rat.

Er bittet Buddha, die Früchte des spirituellen Lebens eines Mönches aufzuzeigen. Buddha zählt auf:

  • „Ein Bhikkhu ist frei von rassistischen, sozialen Vorurteilen und Nachteilen. Seine Menschenwürde ist wiederhergestellt
  • Ein Bhikkhu beachtet 250 Regeln, die es ihm ermöglichen, in Ruhe und Frieden zu leben. Er wird nicht in Versuchung geführt, Verbrechen zu begehen. Es ermöglicht ihm ein sorgenfreies Leben, das jene nicht kennen, die keine Regeln beachten.
  • Ein Bhikkhu besitzt nur drei Roben und eine Bettelschale. Dadurch hat er keine Angst, beklaut zu werden und kann auch im Wald allein unter Baum schlafen, entspannt und ohne Sorgen.
  • Ein Bhikkhu lebt einfach und verwendet nur das, was er braucht. Er bleibt in der Folge frei von Begehren und in sorgenloser Freiheit
  • Ein Bhikkhu erfährt das Glück, das die Meditation schenkt. Die angenehmen Empfindungen, die aus der Befriedigung sinnlicher Begierden erwachsen, können sich nicht mit dem Glück aus der Meditation messen. Jenes Glück durchdringt Geist und Körper, heilt alle Angst, Kummer und Verzweiflung
  • Ein Bhikkhu weiß, dass alle Erscheinungen weder entstehen noch vergehen, noch unrein oder rein sind. Er unterscheidet nicht und zeigt allen Lebewesen den Weg. Anderen in dieser Weise helfen zu können, ist ein großes Glück
  • Ein Bhikkhu beteiligt sich nicht an Politik, wirkt aber bei der Schaffung von Frieden in der Gesellschaft mit. Die Früchte seiner spirituellen Übung dienen allen Menschen.“

Der König ist nach der Rede des Buddhas tief bewegt. Er sagt:

„Du hast mir geholfen den wahren Wert des Dharma ermessen zu können. Herr, du hast wiederaufgebaut, was zerstört darniederlag. Enthüllt, was verborgen war. […] Den Weg gewiesen dem, der verloren war, und Licht gebracht in die Dunkelheit. Bitte, Herr, nimm mich und meine Frau als deine Schüler an, so wie du meine Eltern in der Vergangenheit angenommen hast.“

König Ajatasattu wird Schüler des Buddha und noch in derselben Nacht träumt er von seinem Vater:

„Sein Vater lächelte ihm zu, und da spürte er, dass das, was auseinandergerissen war, nun wieder zusammengefunden hatte. Das Herz des Königs war wie verwandelt, und er brachte seinem Volk von nun an noch großes Glück.“

Einige Zeit später wird Devadatta auf einer Bahre zu Buddha gebracht. Devadatta ist seit einigen Jahren schon sehr krank und will vor seinem Ableben noch einmal den Buddha sehen. Unter größten Schmerzen sagt Devadatta: „Ich nehme Zuflucht zum Buddha“. Buddha legt sanft seine Hand auf Devadattas Stirn. Daraufhin verstirbt Devadatta.

 

Buddha bereitet sich und die Gemeinschaft auf seinen Tod vor

Eines Tages lässt der Buddha alle Bhikkhus auf dem Geiergipfel versammeln. In einer Lehrrede teilt er mit, wie das Dharma und die Sangha vor dem Niedergang bewahrt werden können. Die nächste Zeit nutzt der Buddha, um verschiedene Orte seiner Gemeinschaft zu besuchen. Viele der ersten Schüler Buddhas waren bereits gestorben, darunter seine Schwester Nanda, seine Frau Yasodhara, die Laienanhängerin Sujata (die ihm vor vielen Jahre Milch gereicht hatte), Moggallana und viele weitere Bhikkhus. Er gedachte dieser Schüler.

Kurz darauf verstirbt auch Sariputta, der brillianteste Schüler Buddhas. Dieser hatte in seinem Heimatort seine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt. Nach der Verbrennungszeremonie nahm er die Lotusposition ein und ging ins Nirvana ein. Ananda gesteht Buddha, wie traurig er sei und Buddha fragt Ananda:

„Hat dein Bruder, deine Regeln, deine Konzentration, deine Einsicht und Befreiung fortgenommen, als er starb? […] Sariputta war ein Bodhisattva, ein erleuchteter Mensch, der sein Verstehen und seine Einsicht nutzte, um andere Wesen zum Ufer der Erleuchtung zu führen. […] In Zukunft wird es andere Bodhisattvas geben, so groß wie Sariputta, […] sei nicht traurig über den Tod von Bruder Sariputta!“

Einige Zeit später gibt der Buddha seine Entscheidung bekannt, selbst in drei Monaten zu sterben. Die Gemeinschaft ermutigt er, alles zu studieren und zu prüfen, was er gelehrt hat und an zukünftige Generationen weiterzugeben. Buddha und eine Gefolgschaft von dreihundert Mönchen wandern anschließend für drei Monate weiter durch verschiedene Orte. Nach dieser Zeit machen sie in einem Wald vor Kusinara halt. Ananda ist sehr traurig über den bevorstehenden Tod Buddhas, doch Buddha tröstet ihn und dankt ihm von ganzem Herzen für seine Dienste. Er bittet ihn sich noch etwas mehr anzustrengen, um auch die Erleuchtung zu erlangen. Das würde ihn sehr glücklich machen.

Schließlich richtet er seine Worte noch einmal an die Gemeinschaft und bittet Zweifel, Fragen oder Schwierigkeiten bezüglich der Lehre zu äußern. Dies sei die letzte Gelegenheit. Er wiederholte seine Worte dreimal. Dann sagte er

„Seid eifrig in eurem Bemühen, Befreiung zu erlangen!“

Und schloss die Augen. Kurz darauf war der Buddha ins Nirvana eingegangen.

 

Die Gemeinschaft nach Buddhas Tod

Während einige Bhikkhus schrien und sich hin- und herwarfen, folgten andere Bhikkhus ihrem Atem. Schließlich brachte Anuruddha die Gemeinschaft zur Besinnung, indem er sie an Buddhas Worte zur Vergänglichkeit erinnerte. Alle rezitieren daraufhin gemeinsam Sutras und Anuruddha hielt anschließend eine Lehrrede. Nach Anuruddha erzählte Ananda schöne Geschichten aus dem Leben Buddhas und so verbrachte die Gemeinschaft die Zeit bis in den Morgengrauen.

Am nächsten Tag lässt Anuruddha die Bevölkerung informieren, dass der Buddha gestorben sei. Die vorgesehene Verbrennungszeremonie ist die eines Königs würdig. Es kommen noch viele Mönche aus anderen Orten angereist, um die Verbrennungszeremonie des Buddha mitzuerleben. Auch Repräsentanten verschiedener Königreiche sind gekommen, um dem Buddha Ehre zu erweisen.

Seine Reliquien werden unter den verschiedenen Königreichen aufgeteilt und sollen in errichteten Stupas aufbewahrt werden.

Einen Monat später wird eine Versammlung angestoßen, um alle Sutras zusammenzustellen, die der Buddha je gehalten hatte. Auch die Regeln werden zusammengestellt… diese Zusammenstellung bekommt den Namen „Vinaya-pitaka“, der Korb der Disziplin. Die Zusammenstellung der Dharma-Reden wurde „sutta-pitaka“ genannt.  

Nach der Versammlung kehrt Svasti zu seiner Heimat zurück. Er beobachtet junge Büffelhirte und erinnert sich, dass auch er einst einer dieser Büffelhirte gewesen war. So wie es ihn in seine Heimat drängte, so wünschte sich auch Buddha vor seinem Tod, nach Norden zu gehen. Nach Norden in Richtung Heimat. Er erinnert sich an seine erste Begegnung mit dem Buddha.

 Er lächelt, denn er erinnert sich auch an die Unterhaltung von Mahakassapa mit Ananda, kurz vor der Versammlung:

 Mahakassapa teilte Ananda mit, dass er ernsthaft überlege, Ananda von der Versammlung auszuschließen, da er zwar fundiertes Wissen von der Lehre besitze, aber noch nicht die Erleuchtung erlangt habe. Viele Bhikkhus befürchteten nun, dass Ananda sich enttäuscht und beleidigt abwenden würde. Doch Ananda kehrte stattdessen einfach in seine Hütte zurück und vertiefte sich für drei Tage und Nächte in die Meditation. Bei Tagesanbruch zur Versammlung entschloss sich Ananda schließlich schlafen zu gehen und erlangte beim Berühren der Schlafmatte die Erleuchtung. Als Mahakassapa daraufhin Ananda in die Augen blickte, wusste er was geschehen war. Er lud Ananda zur Versammlung ein.  

Auch wenn der Buddha gestorben war, so waren überall die Samen des Erwachens gesät worden. Svasti sah die Büffelhirten zu seiner Uferseite herüberkommen. Wenn er nicht die Arbeit des Buddha fortsetzte und diesen Kindern Gleichheit, Frieden und Freude brachte, wer dann? Der Buddha hatte die Arbeit begonnen. Seine Schüler und Schülerinnen mussten sie fortsetzen.

Hinweis zu –  Buchrezension: Wie Siddhartha zum Buddha wurde:
Dieser Artikel ist Teil der Artikelserie „Buchrezension: Wie Siddhartha zum Buddha wurde“. In dieser Serie wird das Buch von verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um dem Umfang dieses Werkes gerecht zu werden.

Übersichtsseite zur Artikelserie:
Siddhartha zum Buddha

Inhaltliche Zusammenfassung (hier geht es weiter):