Hinweis: Dieser Artikel ist ein Teil der Artikelserie: „Buchrezension: Wie Siddhartha zum Buddha wurde

Vorab: Zu den Reisen Buddhas

In dem Buch werden detailliert die Reisen von Buddha durch die verschiedenen Städte und Königreiche beschrieben. Da sich innerhalb der letzten 2.500 Jahre die Namen und Grenzen der Städte und Länder verändert haben, fällt ein genaues Nachvollziehen der Reisen ohne Weiteres schwer.

Anbei findet ihr daher eine angereicherte Google Maps Karte, anhand derer ihr die historischen Wirkungsstätten Buddhas besser nachvollziehen könnt.

Mit Klick auf dieses Symbol könnt ihr euch gezielt die Städte oder Regionen abfiltern, die ihr näher betrachten wollt:   

 

 

 

Inhaltliche Zusammenfassung: Zweites Buch

Hinweis: Das Buch „Wie Siddhartha zum Buddha wurde“ ist in drei Bücher unterteilt. Dies ist die inhaltliche Zusammenfassung des zweiten Buches.

Das zweite Buch setzt da an, wo das erste Buch aufgehört hat. Nachdem Buddha im ersten Buch die Erleuchtung erlangt hatte, machte er sich auf, seine Lehre weiter zu verbreiten. Neben zahlreichen Begegnungen und Lehrreden, die er vor verschiedenen Menschen hält, wird auch auf die langsam entstehenden Strukturen von Klöstern und Regeln innerhalb des Buddhismus eingegangen.

Bildung erster Strukturen

Nachdem Buddha immer mehr Schüler aufgenommen hatte, schenkt König Bimbisara der Gemeinschaft den Bambuswald in Rajagaha, um darauf ein Kloster errichten zu können. Es wird beschlossen, die Regenzeit immer in diesem Kloster zu verbringen und die Zeit für Belehrungen zu nutzen. Der daraus entstehende Tagesablauf sieht grob skizziert folgendermaßen aus:

  • Um 4 Uhr morgens wird die Glocke zum Aufstehen geläutet
  • Nach dem Waschen von Gesicht und Händen widmen sich die Bhikkhus abwechselnd der Geh- und Sitzmeditation bis 11 Uhr
  • Anschließend folgt das Studium der Lehre mit den jeweiligen Lehrern, die den Bhikkhus zugeteilt worden waren.
  • Das Essen wird gleichmäßig verteilt und gemeinsam zu sich genommen.
  • Nach dem darauffolgenden Vortrag des Buddha gibt es eine kurze Pause.
  • Am Nachmittag wird wieder Sitz- und Gehmeditation praktiziert, manche praktizieren bis Mitternacht.
  • Dann ist Schlafenszeit.

Buddha besucht seine Familie

Während der Zeit im Bambuswald Kloster wird der Buddha von zwei alten Freunden aus seiner Heimat besucht, die ihn einladen, nach Hause zu kommen. Buddha willigt ein und es kommt bald zu einem berührenden Wiedersehen zwischen seinem Vater, seiner Frau, seinem Sohn und dem Rest der Familie.

Er erzählt seiner Familie von seiner langen Suche nach dem Weg und seine Familie lauscht gebannt seinen Ausführungen. Der König schlägt vor, für die Gemeinschaft im nahegelegenen Nigrodha-Park Hütten bauen zu lassen, damit der Buddha einige Monate bleiben und sie den Weg lehren könnte. Beim gemeinsamen Essen hält der Buddha eine Lehrrede vor seiner Familie und großen Teilen der Bevölkerung.

Während den Monaten, die der Buddha und seine Gemeinschaft in Kapilavatthu verbringen, kommen ihn seine Frau, sein Bruder und sein Sohn regelmäßig besuchen. Buddha nutzt die Gelegenheit, um seiner Frau seinen tiefsten Dank für ihre Unterstützung auszudrücken. Buddhas Sohn Rahula bittet um die Ordination und wird Teil der Gemeinschaft.

 

Buddha lehrt in Savatthi (Königreich Kosala)

Nach seiner Zeit in der Heimat kehrt der Buddha zu dem mittlerweile florierenden Kloster in Rajagaha zurück. Dort wird er von dem Laienschüler Sudatta gebeten, seine Lehre auch in dessen Heimatstadt Savatthi in dem Königreich Kosala, zu teilen.  (Laienschüler sind Schüler der Lehre, die die Lehre praktizieren, dabei aber einem normalen Beruf und Alltag nachgehen)

Der Buddha willigt ein und er und Teile der Gemeinschaft machen sich bald auf den Weg nach Savatthi. In dem von Sudatta errichteten Kloster hält Buddha schließlich eine Lehrrede vor der interessierten Bevölkerung und auch hier sind sehr viele Menschen berührt und entschließen sich, Bhikkhus zu werden. Auch der König von Savatthi bekommt von dem Trubel mit und entschließt sich nach anfänglicher Skepsis, sich selbst ein Bild zu machen. Er stellt Buddha in einem persönlichen Gespräch einige Fragen und nach und nach öffnet sich das Herzen des Königs immer mehr:

König Pasenadi war tief bewegt. Kein anderer spiritueller Lehrer oder Brahmanenpriester hatte die Tür zu seinem Herzen jemals so weit geöffnet, hatte ihm ermöglicht, die Dinge so tief zu verstehen. Die Anwesenheit dieses Lehrers, so dachte er sich, war für sein Land von unschätzbarem Wert. Er wünschte sich, Schüler des Buddha zu werden.

Seit dieser Begegnung verpasste König Pasenadi keine Lehrrede des Buddha mehr.

 

Überwindung gesellschaftlicher Grenzen

In dieser Zeit begegnet Buddha auch einem Unberührbaren. Er ordiniert diesen und zieht dabei die Skepsis der Bevölkerung auf sich.
(Anmerkung des Autors: Unberührbare waren innerhalb des Kastensystems Indiens auf der niedrigsten Stufe. Sie durften nur sehr begrenzt Berufe ausüben, geschweige denn spirituell Verwirklichung suchen.)

Auch der König ist durch diese Neuigkeit aufgewühlt und sucht den Buddha einige Wochen später auf, um mit ihm darüber zu sprechen. Auf dem Weg dorthin beobachtet er einen Bhikkhu, der andere Bhikkhus der Gemeinschaft belehrt; die Worte, die König Pasenadi dabei aufschnappt, bewegen ihn. Beim Buddha angelangt, erkundigt er sich zunächst nach dem Bhikkhu, der soeben die Lehrrede gehalten hat. Er erfährt, dass dieser Mönch niemand anderes als der Unberührbare selbst ist und ist tief berührt.

Der Buddha erklärt:

„Majestät, auf dem Weg der Befreiung gibt es keine Kasten. Dem Auge eines Erleuchteten sind alle Menschen gleich: Das Blut eines jeden ist rot; die Tränen eines jeden sind salzig. Wir alle sind menschliche Wesen. Wir müssen einen Weg finden, der alle Menschen in die Lage versetzt, ihre ganze Würde, ihr ganzes Potential zu verwirklichen.“

Kurz darauf erreicht Buddha die Nachricht, dass sein Vater im Sterben liege. Er macht sich sofort auf, seinen Vater noch ein letztes Mal zu sehen. Am Sterbebett berichtet Königin Gotami, dass Suddhodana seine letzten Monate in Übereinstimmung mit Buddhas Lehre gelebt habe. Buddha weist den König Suddhodana an, seinem Atem zu folgen und erklärt, warum der Tod nicht zu fürchten sei. Der König versteht und stirbt schließlich mit einem Lächeln. Die Königin bittet Buddha nach dem Tod des Königs, ebenfalls Nonne werden zu können. Zunächst lehnt Buddha das aufgrund der gesellschaftlichen Umstände ab. Gotami lässt jedoch nicht locker und Buddha berät sich mit seinen erfahrensten Mönchen, wie am besten zu verfahren sei.

Schließlich beschließt die Gemeinschaft eine Reihe an zunächst unterdrückend anmutenden Regeln, um der gesellschaftlichen Stellung der Frau Rechnung zu tragen. Und erlaubt darauf basierend auch Frauen den Zugang zur Gemeinschaft. In Hinblick auf die bis dahin seit Tausenden von Jahren herrschende Unterdrückung von Frauen, ein Meilenstein. 

 

Vom Nutzen metaphysischer Fragen

Die nächsten Jahre lehrt Buddha weiter an vielen verschiedenen Orten. Mittlerweile sind 9 Jahre seit seiner Erleuchtung vergangen. Da ihm in letzter Zeit häufiger metaphysische Fragen gestellt werden, stellt Buddha klar:

„[…] Ich lehre nur das, was wahrhaft notwendig und hilfreich ist für das Erlangen des Weges“

Metaphysische Fragen zu stellen sei wie folgt:

„[…] du bist wie ein Mensch, der von einem vergifteten Pfeil getroffen wurde und dessen Familie den Arzt herbeigeholt hat, damit dieser den Pfeil entferne und ein Gegengift verabreiche. Doch der Mann weigert sich, den Arzt auch nur irgendetwas tun zu lassen, bevor ihm nicht bestimmte Fragen beantwortet werden. Der verwundete Mann will wissen: Wer hat den Pfeil abgeschossen, welcher Kaste gehört der Täter an, was ist sein Beruf, warum hat er auf ihn geschossen?“

 

Der Sinn von Regeln

In einem Kloster nähe Kosambi bricht eines Tages ein Streit aus. Der eine beschuldigt den anderen, eine Regel nicht eingehalten zu haben. Daraufhin bilden sich zwei zerstrittene Läger im Kloster. Buddha versucht den Streit zu schlichten, scheitert aber. Daraufhin geht Buddha auf Wanderschaft und trifft Mönche, die sehr harmonisch gemeinsam leben. Buddha nimmt dies als Inspiration, um neue Regeln für die gesamte Gemeinschaft zu schaffen. Die nächste Regenzeit verbringt Buddha allein, anschließend macht er sich auf nach Savatthi, zum Jetavana-Park. Dort erfährt er, dass der Streit in Kosambi weiter eskaliert sei und die Bevölkerung vor Ort sogar von dem Streit erfahren habe. Erst kürzlich haben beide Parteien jedoch vereinbart, ein Bekenntnis vor dem Buddha abzulegen und sich zu versöhnen.

Als die Parteien schließlich beim Buddha eintreffen, versöhnen sie sich endlich. Die älteren Mönche nehmen dies als Anlass zu überlegen, wie zukünftige Streitereien vermieden werden können… und wie verfahren wird, um einen Streit aufzulösen. In der Folge entstehen sehr sinnvolle Regeln, die auch in der heutigen Gesellschaft durchaus anwendbar wären.

 

Beispiel: Die erste Übung beinhaltet das „Von-Angesicht-zu-Angesicht-Sitzen“:

Der Streitfall wird dabei vor der Versammlung aller Bhikkhus dargelegt, und beide Seiten des Konflikts müssen anwesend sein. Auf diese Weise werden private Unterhaltungen über den Streit vermieden, durch die die Menschen unweigerlich beeinflusst werden, gegen die eine oder die andere Seite Stellung zu beziehen; das führt wiederum nur zu neuen Spannungen und größerer Zwietracht.

Neben diesen Regeln sind nach und nach immer mehr Regeln entstanden. Die zu dieser Zeit geltenden Regeln umfassen 120 Regeln insgesamt (darin beinhaltet sind 45 Übungen zur Achtsamkeit). Für Novizen (noch nicht vollordinierte Mönche) gibt es nur 10 Regeln.

Alle Regeln sind entstanden, weil es die Situationen und Erfahrungen erforderlich machten. Gerade dadurch, dass immer mehr Menschen innerhalb der Gemeinschaft lebten, wurden Regeln unerlässlich. Manche Menschen brauchten auch Regeln, um sich selbst besser disziplinieren zu können.

In der Gemeinschaft gab es vier Regeln, die bei Verstoß zum Ausstoß aus der Gemeinschaft führten:

  • Keine sexuellen Beziehungen
  • Nicht stehlen
  • Nicht töten
  • Nicht behaupten eine Einsicht erlangt zu haben, die man tatsächlich gar nicht erlangt hatte

Alle anderen gebrochenen Regeln konnten zweimal im Monat vor der Gemeinschaft bekannt werden– das genügte als Wiedergutmachung aus.

 

Weitere Belehrungen von Buddha

In den folgenden Kapiteln kommt es häufiger zu Situationen, in denen Buddha seine Lehre ausführt oder sich gar rechtfertigen muss. So werden Buddha und die Bhikkhus, die ihn begleiten, eines Tages von einem Bauern angeschimpft:

„Wir pflügen, säen, düngen, pflegen und ernten, um essen zu können. Ihr tut nichts.“
Buddha daraufhin: „Aber doch, genau das tun wir. Wir pflügen, säen, düngen, sorgen und ernten.“
Der Bauer: „Wo sind denn dann eure Pflüge, eure Büffel und euer Saatgut? Um welches Getreide kümmert ihr euch? Welches Getreide erntet ihr?“
Buddha: „Wir säen die Samen des Vertrauens in die Erde eines aufrichtigen Herzens. Unser Pflug ist die Achtsamkeit, und unser Büffel ist die gewissenhafte Übung. Unsere Ernte ist Liebe und Verstehen. Herr, ohne Vertrauen, Verstehen und Liebe wäre das Leben nichts als Leiden“

In der Folge unterhalten sich der Bauer und Buddha noch weiter. Der Bauer ist sehr von Buddhas Worten berührt und bittet darum, Laienschüler zu werden.

Bei einem späteren Bettelgang bemerkt Buddha, wie sein Sohn Rahula unachtsam wird. Er nutzt diese Gelegenheit, um Rahula tiefer in die Lehre einzuführen und ihn über die Vier Unermesslichkeiten zu lehren. Diese vier Unermesslichkeiten umfassen liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. Bei Verwirklichung seien sie für einen selbst und andere Menschen eine Quelle fürs Glück.

An einem anderen Tag tritt Buddhas Diener an ihn heran und gesteht ihm, dass er Schwierigkeiten in seiner Übung habe, wenn er allein sei. Buddha erklärt ihm daraufhin, wie wichtig die Gemeinschaft ist und führt aus, was für einen Bhikkhu am wichtigsten ist:

  1. Verständnisvolle, tugendhafte Freunde, die den Pfad mit ihm teilen
  2. Regeln, die dem Bhikkhu helfen, Achtsamkeit zu bewahren
  3. Gelegenheit, die Lehren zu studieren
  4. Eifer
  5. Einsicht

Die letzten vier Dinge sind dabei sehr eng verbunden mit der ersten Bedingung. Im Weiteren lehrt Buddha unter anderem über die achtzehn Elemente der Sinne, fünf Daseinsgruppen und die drei falschen Auffassungen vom Selbst.

Kurz darauf folgt eine der bekanntesten Belehrungen Buddhas: Vor der Gemeinschaft hält Buddha wortlos eine Blume hoch und lächelt. Nur einer seiner Schüler erwidert sein Lächeln. Und Buddha erklärt:

„Diese Blume ist wunderbare Wirklichkeit […] Solange noch Hindernisse in eurem Geist bleiben, so lange werdet ihr nicht in der Lage sein, mit der Blume Kontakt herzustellen. Einige von euch haben sich gefragt: „Warum hält Gautama diese Blume hoch? Was bedeutet diese Geste? Wenn euer Bewusstsein sich mit solchen Gedanken befasst, könnt ihr diese Blume nicht wirklich erfahren. […] Weilt ihr nicht im gegenwärtigen Moment, existiert die Blume nicht wirklich. Es gibt Menschen, die durch einen ganzen Wald voller Sandelholzbäume gehen können, ohne dass sie auch nur einen Baum wirklich sehen.“

 

Weitere signifikante Begegnungen mit Menschen

Im weiteren Verlauf seines Lebens trifft Buddha immer wieder auf verschiedenste Menschen.

Ein solcher Mensch ist Angulimala, ein berüchtigter Mörder, den er in Jetavana in Savatthi trifft.

Angulimala taucht plötzlich hinter Buddha auf und fordert diesen auf, stehenzubleiben. Nachdem Buddha einfach weiterläuft, stellt sich Angulimala Buddha in den Weg. Als er dem Buddha in die Augen schaut, erschrickt er- noch nie war er jemandem begegnet, der so viel Klarheit und Ruhe ausstrahlt. In einem sehr schönen Gespräch überzeugt Buddha Angulimala von dem Weg des Mitgefühls und bewegt Angulimala dazu, aller Gewalt abzuschwören und Schüler Buddhas zu werden. In der Folge widmet sich Angulimala voller Inbrunst dem Studium und überrascht mit seinen Fortschritten selbst Buddha.

In einer anderen Begegnung wird Buddha von einem Mitglied der Nigantha-Sekte besucht. Dieser möchte ihn testen und fragt ihn, welche Sünde die Schlimmste sei:

  • Sünden durch den Körper
  • Sünden durch Gedanken
  • Sünden durch schlechte Rede

Buddha antwortet, dass die Sünden durch die Gedanken die schlimmsten seien und löst damit Gelächter in der Nigantha-Sekte aus; Upali, ein Laienschüler der Sekte, bittet den Buddha daraufhin in einem Einzelgespräch seine Meinung zu erläutern und ist umgehend von der Lehre Buddhas angetan- er wird Schüler Buddhas; bevor Buddha dies jedoch zulässt, bittet er Upali, die Nigantha Sekte auch weiterhin zu unterstützen.

Es folgen eine Reihe weiterer sehr persönlicher und teilweise sehr leidvoller Geschichten von Menschen, die schließlich Anhänger Buddhas werden.

Hinweis zu –  Buchrezension: Wie Siddhartha zum Buddha wurde:
Dieser Artikel ist Teil der Artikelserie „Buchrezension: Wie Siddhartha zum Buddha wurde“. In dieser Serie wird das Buch von verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um dem Umfang dieses Werkes gerecht zu werden.

Übersichtsseite zur Artikelserie:
Siddhartha zum Buddha

Inhaltliche Zusammenfassung (hier geht es weiter):