Handy- und Smartphonesucht: Sind wir alle abhängig?|Teil II

In Teil I des Artikels haben wir die Smartphonesucht definiert und die Folgen skizziert.
Nun die drängendste Frage:

Geschäftsmann hat Handy in der Hand- symoblisch für Smartphonesucht
Handynutzung auf der Arbeit


Wie bekommen wir unsere Handynutzung in den Griff?

Wie bei jeder eingeschlichenen Gewohnheit gilt es zunächst den Kreis zu durchbrechen. Nicht mit Perfektion – sie ist der größte Gegner- sondern mit der Kunst der kleinen Schritte.

Genau das funktionierte bei mir glücklicherweise sehr gut in dieser Woche. Ich merkte nämlich erst gestern, wie sehr meine Handynutzung zugenommen hat. Und wie unruhig ich durch die Nutzung permanent war. Also setzte ich mir nur ein Ziel:

Das Handy die ersten drei Bushaltestellen nicht aus der Jackentasche zu nehmen. Und nachdem die ersten Bushaltestellen vorbeigezogen waren, merkte ich, dass es gar nicht so schwer war. Dass ich diese drei Haltestellen in Gedanken verloren war, und ganz automatisch über etwas nachgedacht habe. Und ich mich dadurch merklich entspannte.

Sicher holte ich mein Handy irgendwann die Fahrt über noch aus meiner Tasche. Aber mein Gehirn hat in dem Moment gelernt, dass der Bus doch nicht eine ausnahmslose Handynutzung zur Folge hat. Und immer wenn es später einen Impuls zur Handynutzung gab, habe ich diesen immer mal wieder gezielt widerstanden. Meine Nutzung über den gestrigen Tag könnt ihr dem angehängten Chart entnehmen:

Screenshot Balkendiagramm Smartphonenutzung
Screenshot aus StayFree

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Smartphonesucht einzuschränken. Aber wichtig, und Grundvoraussetzung für ein Gegensteuern ist immer die Bescheidenheit:

Denn man ist nicht perfekt.
Aber einen, wirklich nur einen einzigen Tipp, bekommt man umgesetzt.

Und damit ist bereits die Gewohnheit sabotiert. Folgende Tipps geben einen guten Überblick (sucht euch für den Anfang nur EINEN aus!).



Tipps gegen die Handysucht

  • Schwarzweiß gegen Farbe: Man stellt die Farbgebung seines Handys auf Schwarzweiß um und sorgt so für weniger visuelle Reize. Die Attraktivität der Handynutzung nimmt ab, und damit auch das Verlangen. Sehr interessante Idee!
  • Stumm schalten: Meiner Erfahrung nach nicht sonderlich wirksam, aber ein erster Showstopper. Besser ist:
  • Flugzeugmodus aktivieren: Denn seien wir mal ehrlich: Wer nutzt schon das Handy um zu telefonieren? Der mobile Datenverkehr macht das Handy erst so interessant- eine temporäre Deaktivierung (bspw. von Weg A nach B) erhöht die Hürde, mal nur „kurz das Handy zu checken“.
  • Versteck dein Handy: Pack das Handy an ungewöhnlich Orte. Ich habe das Handy normalerweise bspw. immer in der Jackentasche. Da meine Hand auch stets in der Jackentasche ist, entsteht immer wieder ein haptischer Reiz. Genau deshalb platziere ich das Handy nun in der Innentasche meiner Jacke. Wichtig: Das Handy muss vor allem aus dem Sichtfeld sein. Ganz getreu dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“
  • Smartphoneverbot an bestimmten Orten: Smartphone auf dem Klo ist tabu.
  • Smartphoneverbot zu bestimmten Zeiten: Gleiches Schema (Bspw. Zeit zwischen Aufstehen und aus dem Hausgehen)
  • Nutzung von Uhren: das Checken der Uhrzeit geht auch mit der Armbanduhr. Ein potentieller Grund weniger, das Smartphone aus der Tasche zu holen.
  • Nutzung kontrollieren mit Apps: Auch das gibt es… ist aber meiner Meinung nach sehr sinnvoll: Denn wer könnte uns verlässlicher sagen, wie oft und wie lang wir das Smartphone in die Hand nehmen, als unser Smartphone selbst?



Apps gegen die Handysucht

Auf mein Handy haben es sogar auch zwei Apps gegen die Smartphonesucht geschafft. StayFree (Screenshot oben) und SPACE. Beide stelle ich euch kurz vor + eine Bonus-App. Hinter dem jeweiligen App Namen könnt ihr euch die Apps für das jeweilige Betriebssystem direkt downloaden.

StayFree

| IOS| Android | In der kostenlosen Version bekommt man für 7 Tage jeweils detailliert aufgeführt, wieviel Zeit man in welchen Apps verbringt. Das Ganze kann man per Screenshot oder sogar Excel-Datei auswerten. Schlichte App, die sich für alle eignet, die einen bloßen Überblick über die verbrachte Zeit am Handy informieren möchten.

SPACE

| IOS | Android | Eine App, die bereits deutlich mehr Daten aufbereitet, als StayFree. Hier ist neben der reinen Zeit (auch auf Appebene) ebenfalls die Anzahl der Entsperrungen ersichtlich. Weiterhin ist ein Vergleich mit den anderen Nutzern möglich- und bringt interessantes zu Tage:

  • 25-34 Jahre alt, männlich, verbringt im Schnitt 3 Stunden pro Tag am Handy
  • Der gesamt Nutzerschnitt liegt bei 3,5 Stunden pro Tag

Sehr interessante Zahlen!

Forecast

| IOS | Android | Diese App habe ich noch nicht in der Nutzung, hört sich aber sehr interessant an. Nach eigens festgelegtem Zeitraum wächst ein virtueller Baum. Geht man in diesem Zeitraum an sein Handy, geht der Baum nach und nach ein. Die App arbeitet also mit visuell negativen Reizen, um uns von unserer Handysucht zu lösen. Chapeau! Unbedingt ausprobieren!



Zu guter Letzt noch ein, zwei positive Worte.

Denn trotz aller Handyzombies in unserem Alltag bewegt sich etwas in unserer Gesellschaft. Das stetige schneller, höher, weiter weicht einer Slow-Flood, Meditations- und Achtsamkeitsbewegung. Die Menschen merken, dass unser Leben zu schnelllebig ist und nehmen bewusst Geschwindigkeit raus. Diese Bewusstheit oder Achtsamkeit ist das Beste Rezept gegen ungewollte Gewohnheiten, Automatismen und damit auch gegen die Smartphonesucht. Wir wappnen und stärken uns also automatisch selbst. Wenn das keine guten Neuigkeiten sind!

2 Gedanken zu „Handy- und Smartphonesucht: Sind wir alle abhängig?|Teil II

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