Affirmationen – wirkungsvoll oder nicht? – Teil I

In meinem letzten Beitrag habe ich über die Kraft der Hypnose geschrieben und das Ganze auch unter wissenschaftlichen Aspekten als wirkungsvolle Methode dargestellt.

Niedergeschriebene Affirmationen in einem Notizbuch
Affirmationen in einem Notizbuch

Bei der Affirmation oder Autosuggestion hingegen fällt mir ein solches Urteil schwerer. Auf der einen Seite gibt es unzählige Seiten und Meinungen, die Affirmationen nahezu als den heiligen Gral in der Persönlichkeitsentwicklung ansehen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch kaum wissenschaftliche Studien, die ein klares Bild hierzu vermitteln und die Wirkung von Affirmationen zweifelsfrei bestätigen können. Und gerade deshalb fasziniert mich das Thema so sehr…


Was sind Affirmationen überhaupt?

Affirmationen sind Sätze, die positiv formuliert sind und durch stetige Wiederholung dafür sorgen sollen, dass sie wahr werden. Ein Beispiel:

Ich bin ein selbstbewusster Mensch, der mit viel Freude und Optimismus durch das Leben geht.

Schauen wir uns daher im Weiteren die Befürworter und „Gegner“ und deren Argumente in Hinblick auf Affirmationen an.


Was laut vielen Menschen für Affirmationen spricht

Blickt man sich zu dem Thema „Affirmationen“ im Netz etwas um, so lässt sich zunächst kaum etwas Negatives zu dem Thema hervorbringen. Viel häufiger wird der Nutzen angesprochen und wenn man sich die Begründungen hierzu durchliest, hat das Ganze durchaus Hand und Fuß. Die Argumentation fußt auf folgender Logik:

  1. Gedanken führen allgemein zu Gefühlen und wiederum, je nach Gedanke und Gefühl, zu einem bestimmten Verhalten
  2. Wir haben täglich über 60.000 Gedanken, darüber jedoch kaum einen Einfluss
  3. Wenn wir uns positive Sätze immer wieder in unser Bewusstsein rufen, können wir die 60.000 Gedanken beeinflussen und dadurch unser gewünschtes Verhalten erzeugen.
    (siehe Pkt. 1)

Rein rational betrachtet erscheint das Ganze also sinnvoll. Interessant ist auch, dass im Buddhismus das Grundproblem ähnlich gesehen wird: Dass wir in unseren Gedanken gefangen sind und uns nicht auf die so wichtige Gegenwart fokussieren können. Aber die Lösung ist hier eine gänzlich andere: Statt uns gezielt mit positiven Gedanken zu versorgen, versucht man im Buddhismus durch die Meditation den Blick auf die Gegenwart zu schärfen. So werden Gedanken zwar wahrgenommen, im gleichen Moment jedoch wieder losgelassen. Dadurch entsteht keine Anhaftung an irgendeinen Gedanken und dadurch auch weder zu positive, noch zu negative Voreinstellungen (sehr simpel ausgedrückt).

Der Nutzen der Meditation ist mittlerweile auch wissenschaftlich belegt. D.h. im Umkehrschluss jedoch nicht, dass nicht auch andere Wege zum Ziel führen. Und wie schädlich kann schon etwas sein, bei dem man sich selbst positive Sätze vorsagt, um sich ein positives Gefühl zu vermitteln? Laut den Gegnern von Affirmationen können jedoch gerade positive Affirmationen zu Problemen führen.


Positive Affirmationen machen krank

Dieser Ansicht ist zumindest der Psychotherapeut Günter Scheich, der immer wieder als Gegner von (positiven) Affirmationen hervorgebracht wird.1 Seine These:

Zwangsoptimismus und Dauerlächeln haben verheerende Auswirkungen auf die Psychohygiene.

Dieser Satz greift meiner Meinung nach deutlich zu kurz und stellt positive Affirmationen in dieser kurzen Fassung eher falsch dar. Denn von Affirmationsbefürwortern wird schließlich nicht propagiert, dass man eine Affirmation dauerhaft und zu jeder Zeit wiederholen müsse, sondern das Ganze eher als Prozess zu sehen ist.

Eine zweite negative Studie, die zu dem Thema häufig hervorgebracht wird, bezieht sich auf einen Versuch, in dem Probanden für vier Minuten alle 15 Sekunden den Satz „Ich bin eine liebenswerte Person“ aufschreiben sollten.

Da Affirmationen häufig eher mittel- bis langfristig wirken sollen, eine leider nicht repräsentative Studie. (Wen es trotzdem interessiert, hier die englische Originalstudie)

Festzuhalten gilt: Der Nutzen von Affirmationen kann wissenschaftlich nicht zweifelsohne belegt werden. Das Gleiche gilt jedoch auch für die Gegenseite. Weshalb ich dennoch Affirmationen als sinnvoll erachte, wie man sich gute Affirmationen baut und welche Affirmationen ich selbst täglich nutze, erfahrt ihr in Teil II zu Affirmationen….

Herzlichst, euer Steffen!

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Quellen:

1: https://derstandard.at/1360681620111/Autosuggestion-Wundermittel-oder-Psychotrick
https://www.n-tv.de/wissen/Die-Kraft-durch-die-Hintertuer-article5314696.html


Ein Gedanke zu „Affirmationen – wirkungsvoll oder nicht? – Teil I

  1. Pingback: Affirmationen – wirkungsvoll oder nicht? - Teil II

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